Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

4 Z VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
lichen Kaufleuten und Handwerkern unmittelbar hervorgegangen
sind, dann kann nicht der Untersschied zwischen mittelalterlicher
„Nahrung“ und modernem „Erwerbsstreben“, zwischen mittelalterlicher
 „Bedarfsdeckungswirtschaft“ und moderner „Erwerbswirtschaft“"
 bestehen, den Sombart behauptet. Wir haben ja
auch rein quellenmäßig nachgewiesen, daß das Erwerbsstreben,
ein höchst energisches Erwerbsstreben dem Mittelalter nicht
fremd ist!)). Aber der Umstand, daß die großen Unternehmer
zum beträchtlichen Teil aus mittelalterlichen Kaufleuten und
Handwerkern hervorgehen, bestätigt und verstärkt unsere aus
den Quellen gewonnene Beobachtung, daß zwischen dem Erwerbstrieb
 des mittelalterlichen Menschen und dem des modernen
oder des kapitalistischen nur ein quantitativer Unterschied besteht.
 Wenn wir sodann wahrnehmen, daß die großen Unternehmer
 teils aus dem begüterten Patriziat kommen, teils. aus
mäßig begüterten oder gar. ärmern Kreisen stammen, so ist da-‘mit
 wiederum ein Beweis gegen die Anschauung von der von der
Persönlichkeit unabhängigen Wirkung des Kapitals gegeben. Das
Kapital an sich übt noch nicht die ihm zugeschriebenen Wirkungen
aus.. Zum Schluß dürfen wir den hiermit festgestellten Zusammenhang
 zwischen modernem Kapital und dem im mittelalterlichern
 Betrieb errungenen Gewinn auch in der Richtung
verwerten, daß wir die Ansicht von dem nur „handwerksmäßigen“
Handel des Mittelalters und ebenso (hier stimmt uns Sombart
bei) die Ansicht Büchers von dem bloßen Kundencharatter der
mittelalterlichen Stadtwirtschaft . ablehnen. Das Mittelalter
ist darüber durchaus hinausgegangen.
§ 7. Schlnßbemerkung.
.. Zum Schluß drängt sich uns die Frage auf, wie es zu erklären
 ist, daß ein Autor von so viel Begabung, der auch bedeutenden
 Fleiß auf. sein Buch verwendet hat, in mehrfacher
Beziehung einen so auffallenden Irrweg gehen konnte?).
1) S. oben S. 410 Anm. 1.
. 2) In der Debatte in Heidelberg zog sich Sombart darauf zurüct,
daß ihm das Mittelalter nur als Folie für die Darstellung der Neuzeit

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