Full text: Die deutsche Wirtschaft

432 Walther Basson: 
handel galt weit mehr als der Großhandel für erstrebenswert, so daß 
das Recht zum Detailabsatz späterhin selbst von den vornehmsten 
Kaufleuten begehrt wurde, Die großen Handelsgesellschaften 
der Fugger und Welser, der Baumgartner und Höchststetter suchten 
zwar ein Monopol in bestimmten Handelszweigen auszubilden, was 
man in gewissem Sinne als Großhandelsmonopol ansprechen könnte, 
insbesondere weil deren Geschäfte einen solchen Umfang angenommen 
hatten, daß ihnen der Kleinverkauf oder der Detailabsatz als etwas 
ganz Unwesentliches erscheinen mußte, Die Beschwerden über das 
Geschäftsgebaren dieser Großhandelsgesellschaften tauchen um die 
Mitte und zum Ende des 15. Jahrhunderts zuerst auf, Die Beschwerden 
beklagen sich darüber, daß die Kaufleute für die aus Venedig oder 
anderswoher kommenden Waren, namentlich für Sammet, Seide und 
Gewürze, zu hohe Preise nehmen. Die im Mittelalter allgemein er- 
wähnten Kaufmannsgilden sind nach den Untersuchungen von 
Below durchaus nicht ohne weiteres als Großhandelszusammenschlüsse 
anzusehen. In der Regel waren nämlich die Kaufmannsgilden der Mittel- 
alterstädte in der Hauptsache die Gilden der Gewandschneider, d. h. der 
Detaillisten im Tuchhandel, und der Krämer, also Gilden von Klein- 
händlern. Neben diesen Kaufmannsgilden wird noch die Zunft der 
Waidhändler und der Weinhändler erwähnt, Bemerkenswert bleibt, 
daß wohl hauptsächlich der Tuchhandel und der Weinhandel 
als die vornehmsteArtdes Handels während des Mittelalters 
angesehen wurden. Die im Wiener Stadtrecht von 1340 erwähnten 
„Laubenherren“, die „Gewölbeherren‘, die im Stadtrecht von Ofen 
(Budapest) erwähnt wurden, waren auch keine Großhändler, sondern 
wiederum Gewandschneider. Immerhin gab es eine Anzahl von Groß- 
kaufleuten, die sich außerhalb jedes Gildenverbandes befanden, zumal 
da die Zunftbildung unter den Kaufleuten nicht so ausgedehnt war wie 
unter den Handwerkern. Die Gewandschneider genossen, wie schon 
erwähnt, in den älteren Jahrhunderten großes Ansehen, und aus ihnen 
setzten sich größtenteils die Patrizier zusammen, Die Kaufleute jedoch, 
die so hoch über den Handwerkern zu stehen glaubten, sind nicht 
Großhändler, sondern Detaillisten, Immer wieder tritt indessen die 
Tatsache in Erscheinung, daß die Gewandschneidergilde als Kauf- 
mannsgilde schlechthin bezeichnet wird, 
Eine besonders bemerkenswerte Erscheinung bilden die K auf- 
fahrergilden der Hansastädte; die reichste Gliederung weist 
Lübeck auf mit seinen Kompanien der Schonen-, Nowgorod-, Stock- 
holm-, Island-, Spanien- und Rigafahrer, Auch in Hamburg und Stettin 
treten solche Kauffahrergilden in Erscheinung, Viele Wissenschaftler
	        
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