Wirtschaftliche Entwickelung.
bahnnetzes eine erfreuliche Ausdehnung genommen. Mexiko,
das überhaupt eine zielbewußte Einwirkung des Regierung
auf die Entwickelung des Wirtschaftslebens am meisten erkennen
läßt, hat schon Anstalten getroffen, die Eisenbahnen
für den Staat anzukaufen oder wenigstens sich ein ausgedehntes
Aufsichtsrecht über den Betrieb zu sichern, um auch
hierin geordnete, den Güterverkehr fördernde Verhältnisse
zu schaffen.
War bisher nur von der einen Seite des Wertes von
Verkehrsmitteln die Rede, nämlich von der Erschließung
wirtschaftlich wertvoller Gebiete und von dem Absatz von
Bodenerzeugnissen, so muß auch die andere Seite der Frage
kurz betrachtet werden, nämlich die der Warenverteilung
über weite Gebiete, die doch auch nur von der Größe der
Entwickelung abhängt, die der Verkehr erreicht hat. Diese
Warenverteilung, deren Möglichkeit für die kulturelle Hebung
eines Landes ausschlaggebend ist, vollzieht sich natürlich in
Ländern mit schlechten Verkehrseinrichtungen anders, als
bei uns. Während in den Kulturländern das reiche Verkehrsnetz
es gestattet, für die einzelnen Artikel der Großindustrie
nur an einigen Mittelpunkten Verkaufsstellen zu
errichten, die dann durch die Ausdehnung des Abnehmerkreises
auf die weiteste Umgegend voll auf ihre Rechnung
kommen, ist dies in verkehrsarmen Gegenden nicht möglich.
Hier beschränkt sich der Abnehmerkreis auf die
Stadt allein und ist zu klein, um Spezialgeschäfte lebensfähig
zu erhalten). Es kann sich also nur um die Zusammenfassung
aller nötigen Dinge an möglichst vielen
Orten handeln, da der Verkehr eine Verbindung von Orten
mit‘ Spezialgeschäften untereinander nicht zuläßt. Kundt
weist für die exotischen Länder besonders noch auf den
wichtigen Umstand, hin, daß mit jeden 50 km von der
Küste die Zahl der weißen Leute unvermischter Rasse abnimmt
und damit die Lebensgewohnheiten einfacher, die
Nachfrage nach europäischen Waren geringer wird. In den
ziemlich abgesonderten Großstädten liegt fast die ganze
Kaufkraft der Länder, ihre Einwohner sind europäischer Abkunft
und richten sich in Gewohnheiten und Kleidung nach
europäischem Muster, weshalb in den Läden dieser Städte
fast alles gekauft wird, was der Europäer zu seinen Gebrauchsgegenständen
rechnet. Dem flachen Lande, dem sich
die Einwanderer. zuwenden, fehlt noch fast alles. Sache des
1) Kundt: Die Zukunft unseres Überseehandels, S. 67.
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