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Schlußbetrachtung
Was speziell Europa anbelangt, macht sich die Zerschlagung
zweier großer Reiche — Rußlands und Österreich-Ungarns —
politisch und wirtschaftlich in schwerster Weise fühlbar.
Während vor dem Krieg ein deutlicher Zug zu großzügiger
Weltwirtschaft herrschte, der den Zusammenschluß mehrerer
kleiner in wenige große Wirtschaftsgebiete vorbereiten wollte,
haben die Friedensverträge Europa balkanisiert und damit dem
Wirtschaftsverkehr jene tausend Schranken wieder auferlegt, die
vergangene Epochen mit Mühe beseitigt hatten.
Wir haben im Lauf unserer Betrachtungen oft genug darauf
hingewiesen, daß die Übervölkerungsgebiete zu wenig Natur
produkte, vor allem Nahrungsmittel, erzeugen, um davon leben
zu können. Sie brauchen Zuschub aus weniger dicht besiedelten
Gegenden und geben dafür ihre Industrieprodukte in Tausch. Dem
Notstand der Gegenwart könnte also nur durch Einrichtungen ab
geholfen werden, die diesen Austausch der Produkte erleichtern.
Es müßte also die Handels- und Verkehrsfreiheit wenn
möglich in einem noch viel ausgedehnteren Maße, als sie vor
dem Kriege bestand, wieder hergestellt werden.
Derzeit hat die Erde noch genügend Produkte aller Art,
um dem Mangel der Übervölkerungsgebiete durch die Überschüsse
der dünn bevölkerten abzuhelfen.
Immer aber wird der Verkehr zwischen fremden Ländern
gewissen Beschränkungen unterworfen sein. Völlig ungehindert
vollzieht sich der Austausch der Produkte von Industrieländern
gegen jene benachbarter Agrarländer nur dann, wenn sie einem
einzigen Wirtschaftsgebiet angehören.
Was wir daher speziell in Mitteleuropa brauchen, ist die
Bildung großer Wirtschaftsverbände, in denen sowohl Industrie
ais Agrarländer, vertreten sein müssen, an Stelle der durch die
Friedens Verträge geschaffenen lebensunfähigen Zwergstaaten.
Für das zerschlagene Österreich-Ungarn, das ein solches
Wirtschaftsgebiet war, wird früher oder später in irgendeiner
Form Ersatz geschaffen werden müssen.
Das wäre vielleicht der erste Schritt. Für die fernere Zu
kunft wird es freilich auch damit noch nicht abgetan sein. Schon
heute denken manche viel weiter. So faßte der Vertreter der
Vereinigten Staaten von Amerika auf der Brüsseler Konferenz