=. Kap. VIII. Der Arbeitslohn,
besonders in den leitenden Stellungen, wo eine höhere Bildung erforderlich
ist, eintreten. Die Marktlage stellt sich dann sehr ungünstig für
die unteren Volksschichten, und es ist unvermeidlich, daß der Arbeitslohn
in diesen Schichten stark herabgedrückt wird. Daß die ungleichmäßige
Verteilung der Volksvermehrung außerdem eine Extrabelastung
der unteren Klassen und ein Herabdrücken ihrer Lebenslage bedeutet,
ist ebenso offenbar, wie daß sie dem Interesse der produzierenden
Gesellschaft an einer guten Erziehung der Kinder schädlich ist.
Sehen wir von diesen Ungleichmäßigkeiten der Volksvermehrung
ab und betrachten wir die Volksvermehrung in ihrem Ganzen als Ausdruck
für das Angebot von Arbeitern, so haben wir in erster Linie
unsere Aufmerksamkeit auf das Verhältnis zwischen dieser Volksvermehrung
und der gleichzeitigen Vermehrung der übrigen Produktionsfaktoren,
also des Bodens und des Kapitals, zu richten. Betrachten wir
zunächst die Knappheit der Arbeiter im Verhältnis zur Knappheit des
Bodens, so ist unmittelbar klar, daß die Marktlage für die Arbeiter
bei steigender Bevölkerung sich ungünstig gestalten muß, wenn der
Boden in bestimmter Begrenzung gegeben ist, und wenn die Methoden
der Kultur praktisch fixiert sind. Kann dagegen der Boden durch Besiedelung
neuer Gebiete oder Länder vermehrt oder durch technische
Verbesserungen ergiebiger gemacht werden, so ist offenbar eine Volksvermehrung
ohne Verschlechterung des Arbeitsmarkts, sogar unter
Verbesserung desselben, möglich. Im ersten Falle wird sich gern eine
pessimistische, im letzten eine optimistische Auffassung der Bevölkerungsfrage
geltend machen.
Die Knappheit der Arbeiter muß aber auch im Verhältnis zur
Knappheit des Kapitals betrachtet werden. Eine Volksvermehrung, in
schnellerem Tempo als die Kapitalvermehrung, muß unvermeidlich die
Marktlage für den Produktionsfaktor Arbeit verschlechtern. Jeder wirtschaftliche
Fortschritt ist davon abhängig, daß das Angebot von Arbeitern
im Verhältnis zum Angebot vom Kapital immer stärker begrenzt
wird. Eine gleichmäßigere Einkommenverteilung genügt also an und
für sich nicht zur Hebung der arbeitenden Klassen: Nur, wenn dabei
noch eine genügend starke Kapitalbildung und zugleich eine genügend
starke Zurückhaltung in bezug auf die Volksvermehrung vorausgesetzt
werden können, ist dauernd etwas für die Arbeiterklasse gewonnen.
Die Verhältnisse gewisser Kolonialländer mit demokratischer Einkommenverteilung
dürfen uns nicht in dieser Beziehung irre führen. Bei
großem Bodenreichtum und reichlicher Kapitalzufuhr von alten kapitalreichen
Ländern ist natürlich immer eine vorteilhafte Knappheit am
Arbeitern mit einer starken Volksvermehrung vereinbar. |
Unzweifelhaft ist die Volksvermehrung wesentlich von Faktoren
bestimmt, die außerhalb des Preisbildungsprozesses liegen. Immerhin
ist auch in bezug auf den jetzt betrachteten Produktionsfaktor die Preis-318