Die Arbeitslosigkeit der Saisongewerbe
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&fein, das in jeder Gesellschaftsordnung irgendwie gelöst werden
Wutz, und das in der bestehenden Gesellschaft noch keine ausreichende
und befriedigende Lösung gefunden hat. Dem Problem der Ar
beitslosigkeit in der heutigen Wirtschaftsordnung würde ein gro
ßer Teil seiner Schärfe genommen werden, sobald es gelänge, aus
den Arbeitslosen die eben bezeichnete Kategorie herauszunehmen
und für sie besondere Einrichtungen zu schaffen. —
Ein gewisses Matz von Arbeitslosigkeit ist also, wie gezeigt, im
heutigen Wirtschaftsleben ganz unvermeidbar und auch im allge
meinen unbedenklich, woher kommt nun aber die zeitweise abnorme
Steigerung der Arbeitslosenziffer?
Eine zeitweise abnorme Steigerung der Arbeitslofenziffer kann
entweder in einzelnen Gewerben oder auch fast gleichzeitig in grö-z
ßeren Teilen der Industrie eintreten. Vas Anschwellen der Arbeits-
losenziffer in einzelnen Industriezweigen kann aus sehr verschie
denen Ursachen entspringen, wir haben da zunächst Industrien,
M denen sich das Anwachsen der Arbeitslofenziffer regelmäßig in
jedem Jahre in bestimmten Monaten wiederholt. Diese Art der
Arbeitslosigkeit ist ja eine ihrer bekanntesten Erscheinungsformen.
Es ist die Arbeitslosigkeit der Saison- und Kampagnege-
werbe. Sie entspringt aus der Tatsache, daß manche Produk
tionszweige nur einen Teil des Jahres hindurch betrieben wer
den, und die in ihnen beschäftigten Arbeiter dann in dem Reste
des Jahres keine Stellen finden können. Kampagnegewerbe sind
solche, deren Betrieb aus natürlichen Gründen auf bestimmte Jahres
zeiten beschränkt ist und während des übrigen Jahres ruht (Zucker-
industrie, Konservenfabrikation, Fischräucherei usw.), Saisongewerbe
sind solche, die an sich das ganze Jahr betrieben werden können,
nber zu bestimmten Jahreszeiten regelmäßig einen verstärkten Be
trieb haben (Baugewerbe, Strohhutindustrie, Spielwarenverferti-
3Ung usw.).
Dabei ist, wenn man zum richtigen Verständnis der Ursachen der
Arbeitslosigkeit gelangen will, aber noch ein Punkt zu beachten.
Pohle, Kapitalismus und Sozialismus, 2. lluil. 8