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Nachgeordnete Teilganze abgibt. Die genetische oder kausal
mechanische Abfolge der Dinge ist also nicht das Gleiche wie
ihr begriffliches Vorrangverhältnis. Was begrifflich den Vor
rang hat, kann genetisch (real) auch das Spätere sein. Andere
Namen für begrifflichen Vorrang oder Priorität sind: Der
logische Primat, die begriffliche Vorgeordnetheit, die begriff
liche Obenheit, (eine Verdeutschung, welche Meister Eckehart
gebraucht), begriffliche Erstigkeit.
Zu Teilganzem und Vorrang gesellt sich noch eine dritte
Grundtatsache, der Stufenbau. Die Ganzheit gliedert sich
nämlich nicht schlechthin in reine Teilganze aus, sondern
die Teilganzen erscheinen jeweils in einem bestimmten, einem
geschichtlich-konkreten Stufenbau von Gattung
u n d A r t. So finden wir ja auch die Organsysteme (Teil
ganzen) der Nerven, der Muskeln, der Atmung usw. nicht nur
beim Menschen (d. h. in der Ganzheit, welche die Stufe „Mensch"
hat), sondern vom Menschen herunter in der ganzen Gattung
der Säugetiere: das Ganze gliedert sich in einem Stufenbau
von Gattung und Art aus. Nennen wir die Ausgliederung
des Ganzen in Teilganze die „Seitengliederung", so erscheint
der Stufcnbau nach Gattung und Art als „Tiefengliederung".
Und es ergibt sich dann die Erkenntnis: daß die Teilganzen
jeweils in verschieden gearteter Form auf allen Stufen der
Tiefengliederung wieder erscheinen. Der Begriff des Teil-
ganzen an sich oder des reinen, absoluten Teilganzen wird
nur durch Abstraktion gewonnen, die wirklichen oder jeweils
bestimmt „gearteten" Teilganzen erscheinen stets auf einer
bestimmten Stufe, oder wie wir es nennen wollen, mit einem
bestimmten Stufen wert versehen. Herz, Lunge, Blut
erscheint in jeder Säugetierart mit einem bestimmten S ru
fen w e r t, z. B. als Löwenherz, Hasenherz, Schlangen
blut, Fischblut, also stets auf einer bestimmten Stufe des
Stockwerkbaues der Arten. Ähnlich gibt es auch Handel auf