Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

134 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
eingeleitete Annäherung an das Drama wurde fortgesetzt, in⸗ 
dem die Musik den letzten Abglanz des Absoluten verlor und 
allein der Charakterisierung dienen sollte. So ergab sich eine 
ganz andere Art der Instrumentation; die Instrumente suchten 
nicht mehr zu schmeicheln, sondern ein jedes trat nur dann 
hervor, wenn es etwas eben in seinem Tone zu sagen hatte: 
und indem sie so zusammen nicht mehr einen simultanen, sondern 
einen sukzessiven Chorus bildeten, wurden sie zugleich zu 
Schöpfern einer ersten, mehr symphonischen Einheit des Ganzen. 
Es war eine Bewegung, die sich sozusagen rein technisch ergab, 
die aber der Komponist bewußt aufnahm. Indem Weber die 
Ldiedmelodien der fünf Akte zu dem Kranz einer neuen Art 
hon Ouvertüre zusammenband, die, ein Programm gleich— 
sam, die harrenden Hörer von vornherein in die musikalische 
Stimmung der Oper einführte, brachte er deren Einheit als⸗ 
bhald auch innerlich zum Bewußtsein; und indem er das System 
der Leitmotive wenn auch noch nicht zu vollster Folgerichtigkeit 
entwickelte, hielt er den Zusammenhang des ganzen Verlaufes 
in der stetigen Erinnerung der Hörerschaft. Eine neue Form 
der Oper war damit geschaffen, die Form eines ausschließlich 
deutschen, auf das Lied konstituierten musikalischen Dramas 
symphonischen Charakters selbst da, wo das bloße gesprochene 
Wort die Musik noch unterbrach: die Form, aus der später 
das vollendete Musikdrama Wagners, das Musikdrama der 
Gegenwart überhaupt hervorging. 
Weber hatte noch um 1812 in der Form der italienischen 
Buffo-Oper geschaffen. Aus dem Dresdner Aufenthalt erwuchs 
dann die Musik zur Preziosa und die „Drei Pintos“, in deren 
heiter graziösen Rhythmen sich noch einmal das 18. Jahr— 
— 
schon der Komponist der Aufforderung zum Tanz und der 
Meister des Freischützen ankündigt: selbst die Jungfernkranz⸗ 
zene findet sich, wenn auch nur äußerlich, vorgeahnt. Vor— 
geahnt wenigstens für das große Publikum und die Offentlich— 
keit: denn als die Szenen der niemals ganz zu Ende geführten 
Oper komponiert wurden, harrte auch das Hauptwerk der
	        
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