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,Die Herrschaft des Wortes“,
das Wort für gewährleistet. Aber gerade mit dieser Be
stimmtheit des „Bestimmbaren“ hat es seinen Haken.
Nicht bei allen Worten, und nicht bei allen Anlässen. Es sind öfters
„äußere Bürgschaften“ geboten; etwa der sinnfällige Aufweis. Aber
daß es z. B. die Nationalökonomie mit jener bösesten Sorte zu tun
hat, die man als die „problematischen“ Worte bezeichnen darf, und
die ich vor allem ins Auge fasse, das werden gewisse Ähnlich
keiten ergeben. Bei jenem „Bestimmen“ muß dem Denken ein
Ausgangspunkt geboten sein, gleichsam über dem Worte drüben.
Daran, daß ihn irgendwie das Wort fixiert, wird blind geglaubt, wie
immer trostlos die Erfahrungen lauten. Dieses Vertrauen in das Wort
ist übrigens weit über die Nationalökonomie hinaus verbreitet. Man
merkt nicht, daß jener Ausgangspunkt haltlos in der Luft hängt.
Man läßt sich daran genügen, daß ja das Wort selber beharre. Aber
was hilft’s, es ist ja bloßer Mittler! Und Mittler nicht einfach zu
„verschiedenen Bedeutungen“ hin, oder „Sprachbegriffen“! Bei dem
wunderbar reichgestalteten Verhältnisse, das zwischen Wort und
Denken besteht, ist es eine unsäglich hölzerne Auffassung, dem Worte
eine endliche Zahl von „Bedeutungen“ zuzusprechen. Das besagt eine
kürzende Willkür, nach der z. B. die Sprachwissenschaft greifen muß;
sie aus gutem Rechte, weil bei ihr das Wort selber und seine Schick
sale zum Gegenstand werden. Bei einem Denken jedoch, das sich übers
Wort herüber den Anlaß zu seiner Bewegung sucht, das also dem
Worte eine so verantwortliche Mission aufdrängt, führt dies zu hellem
Selbstbetrug. Über das Mittel des Wortes können einfach beliebig
viele Direktiven zur Gedankenbewegung erfließen, die ein
ander nur in rohen Hauptrichtungen ähneln. An den letzteren darf
sich die Sprachwissenschaft genügen lassen; sie fixiert sie dem Worte
als dessen „Bedeutungen“. Für jenes Denken aber, da wird das Wort
zu einem Knopfe, an den Ungezählte die Röcke ihrer Definitionen
und Theorien nähen können. Keiner mit mehr Recht als der andere,
weil sie alle zusammen Willkür begehen! Da wird dann hin und her
gezogen, um den Knopf von den fremden Röcken abzureißen. Das
gelingt auch; aber es gelingt von seinem Standpunkte aus jedem, und
somit doch wieder keinem! Deshalb kann der Wortstreit, der hier
ein Bild gefunden hat, zu keinem gedeihlichen Ende führen, und auch
jenes „Bestimmen“ nicht.
Von einem „Bestimmen“, wie es.dort grundsätzlich erstrebt wird
und in Wortstreit hetzt, war hier keine Rede. Nur der tatsächliche
Enderfolg ist der gleiche. Im Wesen aber hat sich einfach eine
Nennung ermöglicht. Für das so Benannte steht ein Gedanken-