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Alle übungen müssen äußerst genau ausgeführt werden, d. h. die
betreffenden Muskeln müssen bis zum äußersten zusammengezogen
und gedehnt werden, wenn der Muskel sich normal entwickeln soll. Die
Ausführung der übungen, das Anspannen und Entspannen erfolgt
im Atemrhy th mus (etwa 4 ruhige Taktzeiten) und wird durch
Zählen (1! 21) geregelt. Eine gut disziplinierte und interessierte Klasse
bringt man auch dahin, daß sie die Übungen selbständig, nach eigenem
Atemrhythmus turnt, und zwar so oft, als zur Erreichung des Zieles
angesetzt wird, bei Anfängern fünf-, später zehn- bis zwanzigmal. Der
Lehrer gehe während des Übens zwischen den Reihen umher, lobe, wo
es angebracht ist und helfe dem Schüler, dem die richtige Ausführung
der Übung nicht gelingen will. Hin und wieder lasse er abteilungsweise
üben (eine Hälfte übt, die andere beobachtet), ein hervorragendes
Mittel zur Weckung des Verständnisses und Interesses.
Die Freude an den Haltungsübungen wird dadurch besonders
belebt, daß der Lehrer im Frühjahr und Herbst den Brustumfang in
der Ein- und Ausatmungsstellung mißt und den Fortschritt zahlen-
mäßig feststellt. Cin atemtüchtiger Brustkorb wird sich bei richtigem
Betrieb der Haltungsübungen naturgemäß ergeben, ein Erfolg, der
im Kampfe gegen die mörderischeste aller Volkskrankheiten, die Tuber-
kulose, nicht hoch genug bewertet werden kann.