Object: Die Volkswirthschaftslehre

§ 18V. Geartctheit der Consumtion. 351 
Diese Umstände beeinflussen die verhältnißmäßige Ausdehnung 
der verschiedenartig wirkenden Consumtionen und somit die 
gesammte Consumtionsrichtung. 
Je schroffer die Vermögensungleichheit isst um so mehr Ein 
kommen wird im Allgemeinen irreproductiv oder in überhaupt 
unwirthschaftlicher Weise verwendet, und umgekehrt um so weniger. 
Wie abweichend gestaltet sich die Art und Richtung der Consumtion 
z. B. bei einer Bevölkerung mit nur wenigen Ueberreichen 
(Nabobs) neben vielen Armen und dagegen bei einer solchen, deren 
Wohlhabenheit sich mannigfaltiger abstuft! Uebergroßer Reich 
thum führt fast eben so leicht zu unersättlicher und mit unnöthigem 
Giiterverbrauch verknüpfter Ueppigkeit, als mittlerer Wohlstand 
zu echter, von sittenloser Verschwendung gleich weit tvie von 
knauserigem Geiz entfernter Wirthschaftlichkeit, während Armuth 
wiederum einer möglichst haushälterischen Einrichtung der 
Consumtion vielfache Hindernisse entgegenstellt. 
Je leichter und sicherer erübrigte Einkommenstheile sich so 
anlegen lassen, daß sie nachhaltig nutzbringend werden, je günstiger 
und anlockender die sich darbietenden Anlagsgelegenheiten sind, 
um so mehr wird im Ganzen die irreprodnctive Consumtion 
einzuschränken gesucht. Entgegengesetzten Falls bleibt der Antrieb 
zur reproductiven Anwendung des Ersparten und zum Sparen 
selbst schwächer, welches lediglich ausnahmsweise, insofern es 
auf Kosten nöthiger und unzweifelhaft fördersamer Bedürfniß 
befriedigung geschieht, unwirthschaftlich erscheint. Jener ist deshalb, 
falls z. B. die Verhältnisse noch zum müßigen Anhäufen oder 
gar zum heimlichen Verbergen ermöglichter Ersparnisse, zum 
Vergraben der angesammelten Schütze re. nöthigen, entschieden 
geringer als nachmals und dann, wenn nun alle Ueberschüsse 
behufs späterer Verwendung ungefährdet aufbewahrt und jederzeit 
sofort nutzbar gemacht werden können. 
Die verschiedenen Volksklassen und Völker erweisen sich in 
Folge klassenhafter und nationaler Eigenthümlichkeiten sowie der 
Neigungen, die sie unter dem Einflüsse bestimmter wirthschaft- 
licher Verhältnisse und besonderer Kulturzustände angenommen 
haben, rncksichtlich des Consumirens zwar nicht ebenso, aber 
doch ähnlich ungleich wie die einzelnen Menschen, welche sich in 
der nämlichen Beziehung zufolge ihres individuellen Charakters, 
ihrer Bildnngszustände und Lebensbeziehungen abweichend ver 
halten. theils sparsam, theils verschwenderisch, und der Einhaltung
	        
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