Die Finanzwirtschaffc während des Krieges usw.
würdigerweise wird dies hier und dort selbst von denjenigen über
sehen, die das Wesen der Inflation in dem stark erhöhten Noten
umlauf erblicken. Gewiß ist die Note, solange sie thesauiiert
ist, der Einwirkung auf die Preise entzogen (wozu noch kommt,
daß sie für das Reich ein unverzinsliches Darlehen bedeutet).
Da die freiwillig eingesperrten Noten aber jederzeit und ohne
Förmlichkeiten am Gütermarkt verwendet werden können, die
Noten die mobilste Form der Kaufkraft (eben Geld) darstellen,
so tritt die Gefahr für die Preise in dem Augenblick ein, wo die
Noten dem Gewahrsam entspringen und zum Kaufen verwendet
werden. Die Gefahr für die Preise ist um so größer, je geringer
die Neigung der Notenhamsterer ist, die Noten zur Kapitalanlage
(Kriegsanleihe) zu verwenden. Da auf der anderen Seite das
Reich ein großes Interesse daran hat, seine gewaltigen schweben
den Schulden zu konsolidieren, so wird es darauf ankommen, die
thesaurierten Noten im geeigneten Augenblick durch die Auflegung
einer mit den nötigen Anreizen ausgestatteten langfristigen An
leihe vom Markte der Konsumgüter abzuziehen. Darauf ist bei
den Maßnahmen zur Beseitigung der Inflation (2. Teil) zurück
zukommen.
II. Inflation und Kriegsanleihe.
1. Wie in dem voraufgegangenen Abschnitt (I) ausgeführt,
nahm die vom Reich durch Beanspruchung von Kredit bei der
Reichsbank geschaffene neue Kaufkraft im Augenblick ihres Ent
stehens zunächst die Form von Geld (gleich Münzen, Noten, Dar-
lehnskassensclieinen und Giroguthaben) an, mit dem dann die
Reichskassen ihre Zahlungen an die Empfangsberechtigten leiste
ten. Die täglich 100, zuletzt 130 Millionen Mark betragenden Zah
lungen, in den Händen der Empfänger: Ersatz für verkaufte Vor
räte, Betriebseinnahmen und endlich mittelbar oder unmittelbar
erhöhte Einkommen, konnten sich — im einzelnen von der Befrie
digung dringender Bedürfnisse bestimmt — auf die Warenmärkte
ergießen und hier die angesichts der Knappheit an Waren vor
handene Tendenz zur Steigerung der Preise mit aller Leichtigkeit
verstärken.
Die in den Einkommen und Einnahmen zutage tretende erhöhte
Kaufkraft der zahlreichen Einzelwirtschaften konnte aber auch
vom Gütermarkt abgezogen werden, indem die neue Kaufkraft