fullscreen : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

270

Zweiter  Teil.  Handel.  XII.  Bankwesen.

Sich  eine  quantitativ  bestimmte  Vorstellung  von  der  schöpferischen  Leistung  jener
Jahre  zu  bilden,  ist  unmöglich.  Nur  an  einigen  Symptomen  vermögen  wir  die
enorme  Zeugungskraft  jener  Zeit  zu  ermessen.  Vor  allem  an  den  uns  bekannten
Ziffern  der  neu  angelegten  Aktienkapitalien.  Im  Königreich  Bayern  beispielsweise
wurden  in  dem  Jahrzehnt  von  1839—1848  insgesamt  6  Aktiengesellschaften  mit  einem
Kapital  von  nicht  ganz  4  Millionen  M  (3,99)  gegründet;  im  folgenden  Jahrzehnt
(1849—1858)  dagegen  deren  44  mit  einem  Kapital  von  mehr  als  145  Millionen  Jl.
Im  Bergbau  und  Hüttenbetriebe  des  Königreichs  Preußen  betrug  die  Zahl  der  gegründeten ­
  Aktiengesellschaften  in  den  18  Jahren  von  1834—1851  14,  ihr  Kapital
23,29  Millionen  Taler;  dagegen  in  den  6  Jahren  von  1852—1857  die  Zahl  59,  das
Kapital  70,69  Millionen  Taler.  Nach  den  Angaben  Max  Wirths  bezifferte  sich  für
ganz  Deutschland  das  Aktienkapital  der  von  1853—1857  neu  begründeten  Banken
allein  auf  200  Millionen  Taler,  das  auf  neue  Eisenbahnen  eingezahlte  Aktienkapital
in  demselben  Zeitraum  betrug  über  140  Millionen  Taler,  während  die  verschiedenen
von  Eisenbahnen  und  andern  industriellen  Gesellschaften  in  dem  Zeitraum  von
10  Jahren  aufgenommenen  Prioritätsanleihen  206  Millionen  Taler  überschritten.
Von  50  Versicherungsgesellschaften  mit  einem  Kapital  von  mehr  als  60  Millionen
Talern  und  von  259  Bergwerks-,  Hütten-,  Dampfschiffahrts-  und  Maschinenbau-Gesellschaften,
  von  Zuckersiedereien  und  Spinnereien  mit  einem  Kapital  von  mehr  als
260  Millionen  Talern  ist  die  größere  Hälfte  in  jenen  Jahren  entstanden.  In  Preußen
wurden  im  Jahre  1856  allein  für  etwa  150  Millionen  Taler  neue  Gesellschaften
konzessioniert,  während  Österreich  in  diesem  einzigen  Jahre  für  mehr  als  100  Millionen
neue  Eisenbahnen  unternahm.

XII.  Bankwesen.

1.  Genueser  Bankwesen  im  Mittelalter.
Von  Heinrich  Sieveking.
S  i  e  o  e  k  i  n  g,  Genueser  Finanzwesen  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Casa  di
8.  Giorgio.  II.  Die  Casa  di  8.  Giorgio.  Freiburg  i.  B.,  I.  C.  B.  Mohr  (Paul  Siebeck),  1899.
S.  41,  S.  42—43  und  S.  44—49.
Das  Bankwesen  entwickelte  sich  aus  dem  Handwechsel,  dem  Umtausch  voll
Münzen,  an  den  sich  die  Ausnahme  von  Depots  und  das  Ausleihen  gegen  Pfand
anschloß.  Das  Recht  des  Handwechsels  war  Regal.
In  Genua  war  das  Recht,  Geld  zu  wechseln,  auf  den  Platz  der  acht  der  Stadt
gehörigen  Banken  beschränkt.  Die  Stadt  verpachtete  1150  dies  Recht  an  ein  Konsortium ­
  auf  29  Jahre  gegen  400  £.  Nur  die  eigenen  auswärtigen  Münzen,  welche
der  Kaufmann  von  auswärts  mitgebracht  oder  in  Genua  bei  einem  Verkauf  empfangen
hatte,  durfte  er  in  seinem  Hause  wechseln,  ohne  an  das  Monopol  der  Bankiers  gebunden ­
  zu  fein.
Wenn  das  Bankwesen  sich  einerseits  aus  Handwechsel  und  Wucherdarlehen
entwickelte,  so  haben  wir  einen  anderen  Ursprung  darin  zu  sehen,  daß  sich  an  die
Warengeschäfte  der  großen  Kaufleute  Bankgeschäfte  anlehnten,  die  schließlich  den
wichtigeren  Geschäftszweig  bildeten,  so  daß  aus  dem  mercator  der  bancherius  wurde.
Die  bancherii  der  italienischen  Städte  betreiben  noch  lange  Warengeschäfte  neben
ihren  Bankgeschäften.  Ja  ein  Bankier  verpflichtete  sich  wohl,  zur  Deckung  der  Guthaben ­
  seiner  Kunden  eine  Warenreserve  bereitzuhalten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.