6. Die Gründerzeit der 1850 er Jahre rc.
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haftbar sind. Die Aktiengesellschaften sind nun recht eigentlich das Mittel, kapitalistisches
Wesen allgemein zu machen. Sie bedeuten eine Demokratisierung und endgültige
Stabilisierung des Kapitalismus, nicht etwa, wie man irrtümlich annimmt,
dessen Überwindung. Denn mit Hilfe des Aktienanteils, den im Notfall auch der
mäßig wohlhabende Mann erwerben kann, ziehe ich die breiten Massen in das Getriebe
der kapitalistischen Wirtschaft hinein, fessele sie an das Interesse kapitalisttscher
Organisation, verbreite vor allem jene Grundstimmung, die ich als kapitalistischen
Geist bezeichne, über die Zeiten der Ekstase hinaus dauernd in alle Poren des Volkskörpers.
Die spekulative Periode der 1850er Jahre führte aber noch eine andere Neuerung
als dauernde Institution in das deutsche Wirtschaftsleben ein, deren Existenz für die
Entfaltung kapitalistischen Wesens ebenfalls von entscheidender Bedeutung geworden
ist: das ist die Kombinierung bankähnlicher und industrieller
Unternehmungen, anders ausgedrückt: die Finanziierung von Produktionsoder
Verkehrsunternehmungen durch Bankinstitute. Um was es sich dabei handelt,
ist dieses: es werden bestimmte Unternehmungen in der Form von Aktiengesellschaften
ins Leben gerufen, deren Zweck es ist, lediglich die Mittel zusammenzubringen
zur Begründung oder Unterstützung anderer schon bestehender oder selbst erst zu
schaffender gewinnbringender Unternehmungen irgendwelcher Art. Es liegt darin
also, wie man es zutreffend genannt hat, eine Spekulation auf die Spekulation. Derartige
Institute bedeuten eine ungeheure Steigerung der kapitalistischen Energie.
Denn da sie von der unausgesetzten Neubelebung irgendwelcher produktiven Tätigkeit
ihr eigenes Dasein fristen, so liegt es in ihrem Wesen begründet, daß sie stets treiben,
stimulieren, drängen. Sie sind gleichsam eine Gründungsmaschinerie, eine permanente
Einrichtung zur Anstachelung des Unternehmungsgeistes. Es ist daher auch
begreiflich, wenn sie ihre erste und bedeutsamste Entwicklung in dem spekulativen
Volke pur excellence, bei den Franzosen, gefunden haben. Jenes Riesenunternehmen,
dessen Gründung Zola in seinem Romane L’Argent als das Werk Saccards
schildert, ist der vrsckit mobilier, der 1852 ins Leben trat und vorbildlich für alle
späteren Geschäfte mit ähnlichen Tendenzen wurde.
In Deutschland war dasjenige Institut, das zuerst seiner ganzen Anlage nach
dem 0r6ckit mobilier am nächsten kam, die 1853 gegründete Bank für Handel und
Industrie zu Darmstadt, die noch heute mit dem Sitz in Berlin und einem Kapital
von 105 sjetzt: 160] Millionen Jl als mächtige Zentrale kapitalistischen Unternehmertums
weiter besteht. Aber die 1850er Jahre erlebten noch zahlreiche andere Gründungen
ähnlicher Art, denen sich reine Bankinstitute in großer Menge anschlossen.
Das gesamte moderne Bankwesen ist in Deutschland ebenfalls in dem ereignisreichen
sechsten Jahrzehnte geschaffen worden und damit die Grundlage für eine
hochkapitalistische Organisation der Volkswirtschaft überhaupt.
Die 1850er Jahre sind mithin die wichtigste spekulative Periode, die Deutschland
bisher erlebt hat. In ihnen wird der moderne Kapitalismus definitiv zur Grundlage
der Volkswirtschaft gemacht. Dies geschieht durch eine allgemeine Befruchtung
aller Wirtschaftsgebiete mit Kapital, das sich durch die plötzliche Vermehrung der
Edelmetallvorräte und die damit im Zusammenhang stehende Preishausse rasch in
den Händen einzelner Personen ansammelt, noch rascher aber durch die Entwicklung
des Aktienwesens und der Bankorganisation sich zu größeren Summen zusammenballt,
die nunmehr nach intensiver Verwertung streben. Damit ist ein Fonds von
kapitalistischer Energie geschaffen und gleichsam objektiviert, der, sich aus sich selbst
immerfort erneuernd und vermehrend, zu einer ungeheuren Triebkraft von revolutionärer
Wirkung wird.