Vielzahl tatsächlicher oder möglicher kausaler Abzweigungen
berücksichtigt, und nicht darauf abgestellt ist, eine Mehrzahl
von in sich verstrebten Kausalbeziehungen gleich zeitig zu
erfassen, ist nicht imstande, Eindrücke von dem Wesen der
möglichen Synthese zu vermitteln, und nicht dazu in der Lage,
richtige Schlußfolgerungen über die Variationsmöglichkeiten
der einzelnen Kausalbeziehungen sowohl, wie auch des auf dem
Kausalnexus aufbauenden übergeordneten Ganzen zuzulassen.
Diese Tatsache spielt beispielsweise in der Medizin
eine große Rolle. Die Erkenntnis des menschlichen Körpers
erfolgt hier im Wege exakt kausaler Forschung, im Wege
anatomischer, physiologischer usf. Betrachtung. Geht diese
einmal in irgendeinem Punkte zu sehr eingleisig vor sich,
so verliert sie an Wert, vermittelt nicht auch weiter noch
Kenntnisse entscheidender Zusammenhänge und läßt sich
bei Behandlung des menschlichen Körpers auch nicht mehr
auswerten. Sie braucht deshalb durchaus nicht an sich falsch zu
sein. Eine Reaktion gegen diese Methode wird daher nach neuen
Kausalbahnen suchen und dabei die Forderung der Berücksich—
tigung und Erforschung des Gesamtkausalnexus, der All—
seitigkeit der funktionellen Beziehungen erneut aussprechen.
Da sie aber noch nicht weiß, wo etwaige Abzweigungen
unbeachtet blieben, und wo und wie sie verlaufen — sonst
wäre eine Reaktion gar nicht nötig — wird sie in solchem
Falle die allgemein gehaltene Forderung nach Berück—
sichtigung der Konstitution des menschlichen Körpers und
deren Grundbedingungen stellen. Sie wird etwa im Wege
experimenteller Allgemeinversuche — beispielsweise Nachthera—
pie des Krebsoperierten durch Verpflanzung in fremde Um—
gebung — solche vermuteten, aber bisher vernachlässigten
Kausalbeziehungen ungefähr festzustellen trachten, und dann
der exakten Kausalforschung nach solcherart vorgenommener
Korrektur der Einseitigkeit das Weitere überlassen.
Solcherart Korrekturen sind in der Geschichte der Wissen—
schaften wie überhaupt in der Entwicklung zeitgeschichtlicher
Geistesströmungen an der Tagesordnung. Dem letzteren Um—
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