Object: Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

es zu Stande bringen, das; die Industrie in zwei Jahrzehnten 
ein durch und durch geschultes Arbeitermaterial besitzt und 
von jenem Pfnscherthnm befreit ist, welches jeder Industrie 
zum großen Schaden gereicht und ein eigentliches Bleigewicht 
für sie bildet. Die Stickerei wird in Zukunft nicht mehr 
Zufluchtsort für Stallknechte sein, denen die Mistgabel zu 
schwer wurde, und für Bauhandwerker, denen ihre Arbeit zu 
„rauh" war. Auch hier wird die Ausmerzung eines un 
fähigen Elements nicht unmittelbar vor sich gehen, sondern 
nach lind nach. Schlagworte, wie „zünftlerische Gelüste" 
sollten aber in einem Verbände nicht existtren, der mit so 
viel Geschick und Erfolg das Gesunde und Kräftigende der 
ehemaligen Handwerkerzünfte in die Industrie einzuführen und 
ihr anzupassen wußte. Das Gleiche läßt sich auch von den 
Kursen für Fergger, junge Kaufleute rc. sagen. Es ist auch 
eine offene Frage, ob der Verband nicht schon in kurzer 
Zeit dazu kommen wird, für das Ferggerwesen ein ähnliches 
Regulativ zu erlassen, wie für die Stickerlehrlinge. Hier ist 
das Pfuscherthum womöglich noch ärger. Ein Verbands 
bericht z. B. klagt, daß junge Metzger, welche vom Wesen 
der Stickerei keine blasse Ahnung hatten, ihr blutiges Hand 
werk aufgaben, um als Fergger zu Schindern der Industrie 
zu avaneiren. Und doch hat die letztere ein ebenso großes 
Interesse daran, einen fachlich intelligenten Ferggerstand zu 
besitzen, als einen ebensolchen Stickerstand, denn ein kenntniß- 
loser Arbeitsvermittler ist ein eigentlicher Seucheherd für das 
Pfuscherthum. 
Mit Beschluß vom 12. Juli 1890 führte das Zentral-SU 
konnte sogenannte Sticker- oder Arbeiterkarten für Fabrik 
sticker ein. Jeder Fabriksticker, der zur Zeit des Inkraft 
tretens des Lehrlingsregulativs den Beruf bereits ausübte, 
hatte Anspruch aus eine Karte. Anderseits durften Verbands 
fabriken nur Sticker mit solchen Karten anstellen. Erster 
Zweck des Beschlusses war, eine Umgehung des Lehrlings-
	        
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