Full text : Grundzüge der Theorie der Statistik

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sich um irgendeinen „Normalwert“ und innerhalb enger Grenzen
analog mit den Glückspielerfahrungen bewegt, bezeichnet man diesen
rzermuteten Normalwert als die Wahrscheinlichkeit der Begebenheit.
 Zur Anwendung des Begriffes Wahrscheinlichkeit berechtigt
 allein die Erfahrung, daß sich die Zahlen um einen festen
Wert bewegen; wenn dies nicht der Fall ist, kann auch von einer
Wahrscheinlichkeit keine Rede sein.
92, Es ist kaum möglich, eine befriedigendere Definition dieses
grundlegenden Begriffes zu geben. Dahinzielende Bestrebungen
*ührten schon in einem sehr frühen Stadium der Geschichte der
Wahrscheinlichkeitsrechnung zur Scheidung zwischen sogenannten
„apriorischen“ und „aposteriorischen“ Wahrscheinlichkeiten. Der
Unterschied zwischen diesen sollte, wie die Bezeichnung es andeutet,
der sein, daß die Größe der apriorischen Wahrscheinlichkeit im
voraus durch rein logische Operationen, ohne Benutzung von Erfahrungsdaten,
 also bevor solche vorliegen, festgestellt werden könne,
während man erst auf dem Wege der Erfahrung etwas über die
Größe der aposteriorischen Wahrscheinlichkeit erführe; letztere kann
jaher genau so definiert werden wie das, was wir oben schlecht
ınd recht eine Wahrscheinlichkeit nannten und muß auch als genau
Jasselbe angesprochen werden. Dagegen hat man zur Definierung
der apriorischen Wahrscheinlichkeit erst den Begriff „gleich mögliche
 Fälle“ einführen müssen: von der Vorstellung der Existenz
solcher Fälle ausgehend stößt indes die Definition der apriorischen
Wahrscheinlichkeit nicht auf Schwierigkeiten. Wenn unter m gleich
möglichen Fällen g das Kennzeichen (Ereignis) A, die übrigen Fälle
Jagegen andere Kennzeichen, B, haben, versteht man unter der
apriorischen Wahrscheinlichkeit des Ereignisses ganz einfach den
Bruch &.
m

Wenn man beispielsweise mit einer Münze wirft, erwartet man
im allgemeinen wohl gleichviel Male Revers und Avers, oder mit
anderen Worten: Revers und Avers sind gleich möglich. Fragt
man daher nach der Wahrscheinlichkeit dafür, bei einem Münzwurf
Avers zu bekommen, dann gilt die Fragestellung nur der einen der
2 gleich möglichen Fälle, so daß die Wahrscheinlichkeit, Avers zu
erhalten, nur !/, ist. Hat man ferner einen Beutel mit 5 weißen und
5 roten, aber sonst gleichen Kugeln, so kann man, nach sorgfältiger
Mischung der Kugeln, bei der Entnahme einer Kugel damit rechnen,
daß die gleiche Möglichkeit für die Ziehung einer jeden der 10 Kugeln
            
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