fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

Der Binnengroßhandel, 433 
wollen in diesen Kompanien Großhändlergilden sehen, was deshalb 
vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen ist, weil es sich im Ver- 
kehr mit den Überseegebieten zweifellos um starke Engrosumsätze 
(Heringe, englische Wolle, russische Felle, Salz, Tuch, Leinwand, 
Wachs, Pelzwerk, Barchent und Seidenwaren, Honig, Fleisch, Butter, 
Mandeln, Kümmel, Öl und Pfeffer) gehandelt haben muß. Interessant 
ist es, aus vorstehendem Überblick zu ersehen, welche Warenartikel 
im Mittelalter vom Kaufmann gehandelt und vom Konsum begehrt 
wurden, Jedoch auch diese Kauffahrer mit großhändlerischem Ein- 
schlag, die „Hanseaten”, legten im Ausland großen Wert auf die 
Erlaubnis zum Kleinhandel, die ihnen auch häufig auf Grund besonderer 
Erlaubnis gewährt wurde. Immerhin ist festzustellen, daß von ver- 
schiedenen Historikern der Volkswirtschaft der Seehandel als 
älteste Formdes Großhandels angesehen wird, da die Natur 
des Seeverkehrs den Transport und Umschlag größerer Warenmengen 
zur Folge hat. 
Bereits im Mittelalter macht sich der Umstand bemerkbar, 
daß der Besitz von Geldund Kapital dem Kaufmann jene über- 
ragende Stellung verleiht, die dahin führt, daß einzelne hervorragende 
Kaufherren einen Besitz und eine Ausdehnung des Geschäftsbetriebes 
hatten, welcher an moderne Riesenunternehmungen erinnert, 
In Italien — vor allen Dingen in Venedig und den übrigen bedeut- 
samen Handelsstädten Oberitaliens (z. B. Genua) — ist bereits im 
Mittelalter der Kapitalismus im allgemeinen weit stärker als in 
Deutschland entwickelt. Die großen Handelsgesellschaften, von denen 
vorhin die Rede war, fanden auch in dem Besitz von Geld ein Macht- 
mittel, welches sie jedem Fürsten ebenbürtig, wenn nicht überlegen 
machte, Die bedeutsame Rolle des Fuggerschen Hauses als groß- 
zügiger Finanzierer deutscher und ausländischer Fürsten sowie des 
Papstes dürfte nicht unbekannt sein. 
Der Großhandel im 20, Jahrhundert. 
Auch im 20. Jahrhundert, dem Zeitalter des modernen Groß- 
handels, spielt die Kapitalfrage eine bedeutsame Rolle. 
Wenn auch die Auffassungen darüber auseinandergehen, ob das 
Kapital des Handels mehr als eine Folgeerscheinung denn als eine Ur- 
sache des Handels anzusehen ist, können wir feststellen, daß der Handel 
sehr häufig und viele Jahrzehnte hindurch dem Produzenten in erster 
Linie mit seinem Kapital gedient hat und dabei erst durch seine Kredit- 
einräumung es dem Industriellen ermöglicht hat, sein Produktions- 
unternehmen in einer Weise auszubauen, die später dem Handel ge- 
Die deutsche Wirtschaft. 
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