Object : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Seeschiffahrt

Tie  heutige  „Hamburg-Amerika-Linie",  die  ehemalige  Hamburg-Amerikanische  Paketfahrt
  Aktien-Gesellschaft  (Hapag)  ist  die  größte  Schiffahrtsgesellschaft  der  Welt.  Zwischen
ihr  und  den  großen  englischen  Reedereien  spielt  sich  in  erster  Linie  der  friedliche  Wettkampf
beider  Nationen  in  der  Seegeltung  ab.  Beide  Teile  suchen  einander  fortwährend  durch
rasche  Fahrten,  durch  Größe,  Behaglichkeit  und  Luxus  der  großen  Passagierdampfer  zu
überbieten.  In  diesem  wie  in  jedem  Wettstreit  liegt  die  beste  Garantie  eines  steten  Fortschritts ­
  zu  höherer  Vollkommenheit,  aber  er  birgt  auch  manche  Gefahren  in  sich,  in  die
freilich  die  englische  Schiffahrt  mehr  als  die  deutsche  verstrickt  worden  ist:  der  entsetzliche
Untergang  des  Riesendampfers  „Titanic"  auf  seiner  ersten  Ozeanfahrt  infolge  Zusammenstoßes ­
  mit  einem  kleinen  Eisberg  in  der  Nacht  vom  14.  zum  15.  April  1912  hat  wie
ein  eindringliches  Menetekel  gezeigt,  wohin  cs  führt,  wenn  die  Stimme  der  Vernunft,
die  sich  infolge  der  Meldungen  von  Eisgefahr  notwendig  regen  mußte,  zugunsten  eines
zum  Spleen  ausgearteten  Schnelligkeitssports  unterdrückt  wird.  Glücklicherweise  kann  man
unsern  deutschen  Reedereien  nachsagen,,  daß  ihnen  die  Sicherheit  und  Gesundheit  ihrer
Passagiere  noch  immer  höher  gestanden  hat  als  die  alberne  Rekordbrecherei  um  jeden
Preis.  —
Ter  Aufschwung  der  Schiffahrt  zeigt  sich  in  nichts  deutlicher  als  in  der  rapiden  Vergrößerung ­
  der  Dimensionen  der  großen  Schnelldampfer.  Als  in  den  50  er  Jahren  der
berühmte  Riesendampfer  „Great  Eastern"  mit  207  m  Länge,  25,3  m  Breite  und  27400
Brutto-Registertonnen  in  den  Atlantischen  Dienst  gestellt  wurde,  erwies  sich  nach  nur  zweimaliger ­
  Ozeanfahrt  der  Betrieb  als  viel  zu  kostspielig;  er  wurde  deshalb  aus  dem  Passagierdienst
  zurückgezogen  und  hätte  ein  unrühmliches  Ende  gefunden,  wenn  er  nicht  eine  neue
Aufgabe  in  der  Verlegung  der  ersten  transatlantischen  Kabel  gefunden  und  damit  den  Ruhm
der  Unsterblichkeit  gewonnen  hätte.  —■  Jahrzehntelang  wagte  man  so  große  Schiffe  nicht
wieder  zu  bauen;  erst  1903  wurden  die  Dimensionen  des  „Great  Eastern"  wieder  erreicht
und  übertroffen,  nachdem  der  Passagierverkehr  über  den  Ozean  einen  ungeheuren  Aufschwung ­
  erfahren  hatte.  Im  Jahre  1905  waren  öie  englischen  Dampfer  „Oeeanic"  und
„Celtic"  die  größten  der  Welt;  der  letztere  wies  213m  Länge  und  36000t  Brutto-Registertonnen ­
  auf.  Der  Hamburger  Dampfer  „Kaiserin  Augusta  Viktoria"  (1906)  und  der
Bremer  „George  Washington"  (1908)  kamen  der  „Celtic"  ungefähr  gleich.  Auch  diese
gewaltigen  Dimensionen  sind  aber  in  den  letzten  Jahren  ganz  erheblich  überboten  worden.
Nachdem  noch  in  der  Mitte  der  90  er  Jahre  der  Dampfer  „Pennsylvania"  der  Hapag  mit
feinen  13333  Brntto-Rcgistcrtonnen  als  ein  Riese  betrachtet  worden  war,  folgten  jetzt  die
Dampfer  „Lusitania"  und  „Mauretania"  1907  mit  240m  Längenndetwa40000  Brutto-Registertonnen ­
  und  dann  die  britischen  Dampfer  „Olympie"  und  die  unselige„Titanic"  mit  250  m
Länge  und  45000  Brutto-Registertonnen,  und  schon  werden  auch  diese  Meeresungcheuer
bald  überboten  sein  von  dem  neuesten  Ricsendampfer  der  Hambnrg-Aincrika-Linie,  dem  neuerdings ­
  so  vielgenannten  „Imperator",  der  am  23.  Mai  1912  nach  zweijähriger  Bauzeit ­
  auf  der  Hamburger  Werft  von  Blohm  und  Boß  vom  Stapel  gelaufen  ist  und  im
Frühjahr  1913  seine  erste  Ausreise  antreten  soll.  Er  wird  nebst  zwei  Schwesterschiffen,
die  ihm  bald  folgen  sollen,  eine  Länge  von  268  m  aufweisen,  sein  Raumgehalt  wird
50000  Brutto-Registertonnen  betragen,  sein  Gewicht  34000  t.  Die  Wasserverdrängung
wird  etwa  60000  Tonnen  betragen,  der  Antrieb  erfolgt  durch  4  Dampfturbinen  von  je
15000  Pferdestärken,  die  Geschwindigkeit  wird  22  Seemeilen  (41  km)  in  der  Stunde  betragen. ­
  Elf  Stockwerke  werden  in  dem  neusten  Ozeanriesen  übereinander  liegen,  die  höchste
Mastspitze  wird  volle  75  in  über  den  Kiel  hinausragen.  Tie  Schornsteine  werden  21  in
hoch  sein  und  einen  ovalen  Querschnitt  von  rund  50  gm  (9  m  in  der  Länge,  ö 1 ^  m  in
der  Breite)  aufweisen.  Vollbesetzt  wird  das  Schiff  5000  Menschen,  also  die  Einwohnerschaft ­
  einer  kleinen  Stadt,  aufnehmen  können.
Nichts  aber  wird  wohl  deutlicher  den  kolossalen  Aufschwung  der  deutschen  Seeschifffahrt ­
  illustrieren  als  die  Angabe,  daß  noch  im  Jahre  1892,  also  vor  zwei  Jahrzehnten,
der  gesamte  Jahresverkehr  der  Hapag  sich  nur  auf  154182  Registertonnen,  also  nur  auf
das  Dreifache  des  ganzen  „Jmperator"-Raumgchalts,  belief!
            
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