in irgendwelchem Gute der Wert anderer Güter geschätzt, gemessen
und ausgedrückt wird, so ist ersichtlich, daß es zum Vorhandensein
des Geldes keiner tauschwirtschaftlichen Organisation bedarf, wenn
etwa der Geldausdruck und das Geldgut nur bei Erlegung von
Bußen, der Erhebung von Steuern u.s. w. in die Erscheinung
treten.“ Sombart hebt richtig hervor, daß Geld bereits vorhanden
sein könne auch ohne tauschwirtschaftliche Organisation und ander-
seits Tauschwirtschaft ohne Vermittlung des Geldes in friedlichem
Einvernehmen mit einer Naturalwirtschaft®).
Allerdings konnte Sombart nicht umhin, doch allsogleich auch
zugestehen**), „daß die eigenwirtschaftliche Organisation und die
Naturalwirtschaft ebenso wie die tauschwirtschaftliche Organi-
sation und die Geldwirtschaft in einem gewissen Abhängigkeits-
verhältnis voneinander stehen: geldwirtschaftliche Verhältnisse
bewirken oder befördern eine Auflösung der Eigenwirtschaft und
erzeugen oder festigen tauschwirtschaftliche Beziehungen, ebenso
wie umgekehrt die Tauschwirtschaft aus sich heraus Tendenzen
zur Geldverwendung entwickelt“.
Man sieht: Sombarts Scharfblick hat die eine Seite der histori-
schen Tatsachen richtig beobachtet, die Koexistenz von Eigenwirt-
schaft und Geldgebrauch, wie auch jene von Tauschwirtschaft ohne
Geld. Aber Sombart ist bei dieser theoretischen Feststellung stehen
geblieben, ohne die Konsequenzen aus seiner richtigen Erkenntnis
voll zu ziehen. Er stellt doch nach wie vor Naturalwirtschaft und
Geldwirtschaft historisch in Gegensatz. Auch seine wirtschafts-
geschichtliche Darstellung verharrt bei der herkömmlichen Auf-
fassung — unter deutlichem Einfluß der Bücherschen Theorie. Das
frühe Mittelalter ist „das eigenwirtschaftliche Zeitalter‘!7). Das
Bedarfsdeckungsprinzip bleibt das regulierende Prinzip!®). Der
Gedanke einer auf eine marktmäßige Deckung des Bedarfs ge-
richteten Wirtschaft war ausgeschlossen?*). Die Kultur war primitiv
ünd trug rein ländliches Gepräge. Keine Stadt, kein städtisches
Leben in dem weiten Reiche des Frankenkaisers (Karls d. Gr.)”°).
*) Der moderne Kapitalismus ı, 1%, 110. (1921).
‘6) Ebda. S. 117.
7”) A.a.0. 5. 66.
18) Ebda. S. 63.
®) Ebda. S. 65.
©) Ebda. S. a1.