Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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geführt. Darüber hinaus vermittelten die ägäischen Seefahrer auch
Produkte weiter entlegener Länder, wie Bernstein, Silber, Zinn.
Hauptsächlich waren Kreta und Cypern Mittelpunkte dieses Verkehrs?).
 Wie hier die natürlichen Bedingungen der insularen, bzw.
maritimen Lage bereits in ältester Zeit den Seehandel hervorgerufen
haben, und auch dazu führten, daß nicht nur einheimische Erzeugnisse
 verfrachtet wurden, so ist heute nach den neuesten Forschungen
auch als gesichert zu betrachten, daß diese ägäische Kultur Metallgeld
 besessen hat. Es waren Kupferbarren in Form des Doppelbeiles,
 für welche das alte Kupferland Kypros das Material lieferte.
Sie finden sich häufig auf Kreta, das wohl der Hauptumschlagplatz
dafür gewesen ist. Mehrfach treten Marken auf, teils eingestempelt,
teils eingraviert. Möglich, daß diese Marken nur Fabrikszeichen
sind, wie Regling meint*®).
Ihr Verbreitungsgebiet reicht nicht nur nach dem griechischen
Festland (Euböa, Mykenä), sondern bis nach Sardinien, Sizilien
und Dalmatien. Da auf Wandgemälden in Ägypten aus der Zeit
des Thutmosis III. (1501—1447 v. Chr.) die Keftiu (Kreter) und
Retennu (Palästina) unter anderen Tributleistungen solche Barren
darbringen und diese dort auf Denkmälern mit den Metallbezeichnungen
 Gold, Silber, Kupfer und Blei vorkommen“), so lassen sie
sich auch bestimmter datieren. Sie dürften der sog. mittelminoischen
Zeit zugehören, d. h. der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.
Daß diese Barren schon nach bestimmten Gewichten hergestellt
worden sind, also eine bestimmte Justierung bereits erfolgte, wie
einige neuere Forscher annehmen, ist von Regling bezweifelt
worden®). Immerhin gibt auch er zu, daß eine ungefähre Gewichtsangleichung
 dadurch möglicherweise herbeigeführt worden sein
kann, daß die Schmelzhütten dieselben oder gewohnheitsmäßig
gleich große Gußformen verwendeten.

?) Vgl. Art. Agäischer Einfluß auf Palästina-Syrien von Peter Thomsen.
Ebendort, sowie die daselbst zit. Spezialliteratur.
3) Vgl. d. Art. Geld v. Regling in Max Eberts Reallexikon d. Vorgesch. IV
(1926), S. 223 f.
4) R. Lepsius, Die Metalle i.‘ d. ägypt. Inschriften. Abhd. d. Preuß. Akad
1871, sowie J. N. Svoronos, t& xQÖta vopiopato Journal internat. d’arch&o-Jogie
 numismatique 9 (1906) =— französ. Übersetzung in Revue belge de numismatique
 1908—1910.
5) A.a.O. S. 224.
Dopsch, Naturalwirtschaft,
            
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