Object: Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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mehr verdiente man daran 1 ); das ging soweit, dafs man den natür- 
*) „Die erste Berücksichtigung unter den kommerziellen Zwecken ver 
dient im hiesigen Königreiche nach dessen eigenthümlicher Lage, auch seinen 
Handels- und Gewerbsverhältnissen, der Transitoverkehr.“ 
„Eine Wichtigkeit eigenthümlicher Art für das Königreich 
Hannover haben noch diejenigen Strafsenzüge, welche die Durchgangs- 
Waren in abgekürzter Richtung dem Auslande zu bringen und den Fuhrverkehr 
rasch auf auswärtiges Gebiet leiten. Dahin gehören z. B. dieStrafsen von 
Bremen auf Minden über Petershagen, von Koppenbrügge über Bisperode auf 
Eschershausen, von Elze über den Ith nach Eschershausen, von Lüneburg nach 
Salzwedel, von Detern durch Ostfriesland nach Neuschanz in Holland u. a. m. 
Früher befolgte die Regierung sehr streng den Grundsatz, dafs der Bau der 
artiger Strafsen durchaus nicht begünstigt werden dürfe, ein Grundsatz, welcher 
auch auf die Weser, als Wasserweg, im Interesse der diesseitigen Einnahme an 
Durchgangs-Abgaben, Anwendung fand. 
Im Gegensatz zu diesen nicht begünstigten, gab es auch begüns tigte 
Strafsen (für alle Waren oder nur hinsichtlich einzelner Gegenstände), d. h. 
solche, auf welchen eine Vermehrung des Transits deshalb namentlich sehr 
wünschenswert erschien, weil sie das Königreich in bedeutender Länge durch- 
schneiden, oder besonders wichtige Plätze berühren oder die Konkurrenz aus 
wärtiger Parallelstrafsen zu besorgen haben.“ Fr, v. Reden, Das Königreich 
Hannover, II, Abt., 1839, S. 292, 293, 294. 
Eine solche, die wichtigste, Konkurrenzstrafse, ist die reohtselbische 
Strafse durch Mecklenburg und Preufsen. Sie war in letzter Zeit Hannover 
unangenehm geworden im 18. Jahrhundert, als Preufsen anfing, seinen Städten 
wieder Handel zuzuführen mit der Handelspolitik Friedrichs des Grofsen. Ihr 
Ausbau als Chaussee war sehr gefährlich für Lüneburg und Hannover, und 
wurde es noch mehr infolge der Zollverhältnisse, da die mecklenburgischen 
Transitzölle nicht so hoch waren, dafs es nicht günstiger gewesen wäre, auf 
dieser Route in und durch den Zollverein zu senden, als durch den Steuer 
verein und Zollverein. 
„Das Bestreben von Preufsen und Hessen, den Speditions- und Transito- 
Handel Hannovers durch Anlegung von Parallel-Strafsen möglichst abzu 
leiten . . . .“ v. Reden, S. 292—293. 
Strafse Bremen-Osnabrück: 
„Diese für Bremen äufserst wichtige Strafse — der kürzeste Verbindungs 
weg der Fabrik-Distrikte der Preufsischen Provinzen Westphalen und Niederrhein 
mit dem Meere — hat durch die Zoll-Linien, die Verbesserung des Lippefahr 
wassers, durch die Begünstigung der Mindener-Strafse u. s. w., verloren. Auf 
wenige unserer Handelsstrafsen würde die Vereinigung des grofsen und nord 
westdeutschen Zoll-Vereins einen vorteilhafteren Einflufs äufsern, als auf diese; 
allein dann möchte auch nicht zu vermeiden sein, dem direkten Verkehr 
zwischen Bremen und dem Süden Deutschlands, die beste Strafse 
durch Verbindung Nienburgs mit Minden mittelst einer Chaussee über Leese und 
Windheim zu eröffnen. Nebenbei erhielten das Bückeburgische und Sohaum- 
burgische einen sehr erwünschten Abzugweg für ihre Erzeugnisse (Steinkohlen, 
Getreide u. s. w.); allein der Strafse über Hannover würde dadurch ohne 
Zweifel vieles entzogen.“ v. Reden, Das Königreich Hannover, II. Abt., S. 319.
	        
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