Metadata : Die Frau und die Arbeit

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»Daß  die  Beschäftigung  in  Cigarren-Fabriken  für  die  jugendlichen,  in  geringern!  Maße
""4  für  die  erwachsenen  Arbeiterinnen  in  gesundheitlicher  und  sittlicher  Beziehung
u  a  ch  t  h  e  i  l  i  g  ist,  ist  allgemein  bekannt.  Ich  will  hier  nur  darauf  Hinweisen,  daß  in  Bellrken
  mit  entwickelter  Cigarren-Jndustrie  die  Aerzte  das  häufige  Vorkommen  der  Schwindsucht ­
  und  die  erhebliche  Zunahme  der  unehelichen  Geburten  an  den  betreffenden
Drten  seit  dem  Bestehen  der  Fabriken  bestätigen.  In  einigen  Bezirken  sind  die  an  der
Schwindsucht  Gestorbenen  meist  Cigarrenarbeiter,  was  indessen  nicht  ausschließt,  daß  die
^fache  dieser  Erscheinung  theilweise  in  dem  Zugänge  gerade  der  schwächlichen  und  krünklchcn
  Personen  zur  Fabrikarbeit  liegt.  Auch  betreffen  die  unehelichen  Geburten  in  manchen
Wirken  meist  die  Klasse  der  Fabrikarbeiter.  Da  in  den  Cigarren-Fabriken  alle  ungünstigen ­
  Einflüsse  der  Fabrikarbeit  überhaupt  vereinigt  sind:  dicht  besetzte
'Uiume,  Ausdünstung  und  Staub  des  Tabaks,  Zusammenarbeiten  der  Geschlechter  und
geringer  Verdienst,  so  ist  es  erklärlich,  wenn  diese  Beschäftigung  auf  die  jugendlichen  Ar-,'citer
  ungünstig  wirkt.  Die  Aerzte  constatiren,  daß  in  Folge  dieser  Verhältnisse  gerade  bei
jugendlichen  Individuen  Reizungen  der  Schleimhäute,  sowohl  der  Athmungsorgane  als
«uch  bcŗ  Verdauungswerkzeuge  hervorgerufen  werden.  In  Folge  dessen  erkranken  die  Ath-'Uungswerkzeuge
  bis  zu  Blutungen  und  die  Verdauungswerkzeuge  durch  Katarrhe  und  Appelllosigkeit,
  wodurch  Blutarmuth  mit  allen  ihren  Folgen  herbeigeführt  wird.  Es  wird
"  ttdings  von  den  Aerzten  bestätigt,  daß  diese  Verhältnisse  dort  weniger  ungünstig  liegen,
^  für  eine  ununterbrochene  Erneuerung  der  Luft  gesorgt  ist,  und  es  ist  zu  hoffen,  daß
ļļjjļ  der  fortschreitenden  Verbesserung  der  Einrichtungen  in  den  Fabriken  die  nachthciligen
ìrkungen  der  Fabrikarbeit  mehr  und  mehr  abgeschwächt  werden;  allein  für  die  jugcnd-'chen
  Arbeiter  wird  die  Beschäftigung  in  Cigarren-Fabriken  immer  eine  ihrer  Gesundheit
stln  wenigsten  zuträgliche  bleiben."
Besondere  sittliche  Gefahren  werden  namentlich  dort  gefunden,  wo
îo  alte  Betriebsweise  noch  üblich  ist:  daß  eine  Wicklerin  —  oder  auch
etn  Wickler  —  und  ein  Cigarrenmacher  —  resp.  eine  Cigarrenmacherin  —,
welche  neben  einander  sitzen,  nicht  nur  zusammen  arbeiten,  sondern  auch
ģ^Nleinschaftlich  abgelohnt  werden.  Eine  solche  Abhängigkeit  muß
verderblich  wirken,  und  macht  es  erklärlich,  wenn  angeführt  wird:
»Einem  aufmerksamen  Beobachter  wird  es  nicht  entgehen,  und  unter  der  übrigen  Be-J
  Ehrung  begegnet  man  häufig  der  ausgesprochenen  gleichen  Wahrnehmung,  daß  unter  der
^  ail 3cn  weiblichen  Fabrikbevölkerung  größtentheils  die  Cigarren-Arbeiterinnen  am  meisten
ltlcn  sittlich  verletzenden  Eindruck  machen."  (Pfalz,  Unterfranken  und  Aschaffenburg.)
Auch  das  Sortiren  und  Mischen  von  Tabak  macht  den  Aufenthalt
111  solchen  Räumen  gesundheitlich  bedenklich  (Plauen,  Hannover).
Wegen  der  giftigen  Beschaffenheit  der  verarbeiteten  Stoffe  sind
bveuklich:  die  Schriftgießereien  mit  ihren  Schriftschleifereien  (Leip-^'6);
  bei  der  Fabrication  der  sogen.  Abziehbilder  in  chromolithogra-.
  şischen  Anstalten  (Fürth  und  Nürnberg)  das  Einstäuben  der  Bilmit
  Bleiweis  (ersetzbar  durch  Lithopon);  das  Abstauben  glasirter
aaren  in  Steingut-Fabriken  (Baden);  das  Aufträgen  bleihaltiger
.  asuren  (Meißen,  Leipzig)  ;  das  Poliren  von  Bleiplatten  (in  badischen
^binschleifereien).  Vor  allem  gefährlich  sind  die  Zündholz-Fabriken
ItlL  die  Beschäftigung  in  den  Quecksilberbelegen  in  Fürth  mit
            
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