Metadata : Die deutsche Zigarettenindustrie

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führen.  Die  Bestände  werden  von  Zeit  zu  Zeit  amtlich  festgestellt
und  mit  den  Anschreibungen  verglichen  (Z.-G.  §  11).
Alle  diese  Vorschriften  sind  geeignet,  die  kleineren  Fabrikanten
zu  Gunsten  der  größeren  zu  benachteiligen,  denn
1.  macht  die  notwendige  Verauslagung  der  Steuer  jetzt  zum
Betriebe  von  Zigarettenfabriken  größere  Mittel  als  früher  erforderlich;
diese  zu  beschaffen,  ist  aber  für  den  kapitalarmen  Kleinfabrikanten
schwieriger  als  für  den  Großfabrikanten;
2.  ist  es  der  Mehrzahl  der  kleineren  und  mittleren  Fabrikanten
wegen  der  geforderten  „Bestellung  voller  Sicherheit“  unmöglich
gemacht,  Stundung  der  Steuer  zu  erlangen;  der  Großfabrikant  dagegen ­
  wird  meistens  in  der  Lage  sein,  Sicherheiten  zu  stellen,  und
wird  so  durch  Inanspruchnahme  des  Steuerkredits  Zinsverluste  vermeiden ­
  können  *);
3.  findet  in  allen  größeren  Betrieben  eine  genaue  Buchführung
statt,  so  daß  die  Führung  der  vorgeschriebenen  Kontrollbücher  hier
keine  besonderen  Schwierigkeiten  und  Mühen  verursacht.  Den
kleineren  Fabrikanten  dagegen,  die  früher  überhaupt  keine  Bücher
führten,  ist  die  notwendig  gewordene,  ungewohnte  Schreiberei  eine
Plage,  die  ihnen  eine  ganze  Masse  Zeit  raubt.
Steuerträger  sollte  eigentlich  nach  Absicht  des  Gesetzgebers
der  Konsument  sein;  in  Wirklichkeit  haben  jedoch  in  den  meisten
Fällen  Fabrikant  und  Händler,  gezwungen  durch  die  Konkurrenz,
die  gesamten  Steuerspesen  auf  ihr  Konto  übernehmen  müssen.  Maßgebend ­
  war  hierbei  das  Verhalten  der  maschinellen  Großbetriebe,
in  deren  Interesse  es  vor  allem  lag,  einen  Rückgang  des  Konsums
zu  verhindern  und  ihren  Umsatz  auf  alter  Höhe  zu  halten;  denn
Abnahme  des  Absatzes  wäre  für  sie  gleichbedeutend  gewesen  mit
teilweiser  Entwertung  der  in  ihren  Betrieben  fixierten  Kapitalmassen
und  relativer  Steigerung  der  Produktionskosten.
Zum  Teil  suchten  die  Fabrikanten  durch  Verkleinerung  des
Formates  der  Zigaretten  und  dadurch  erzielte  Ersparung  von  Tabak
und  Papier,  ferner  durch  Ersparnisse  an  Verpackung,  Löhnen  usw.,

1)  In  jüngster  Zeit  hat  sich  in  Berlin  eine  Aktien-Gesellschaft  („Erste  Berliner
Kautionsgesellschaft“)  gebildet,  die  es  übernimmt,  gegen  geringe  Vergütung  die  erforderlichen ­
  Sicherheiten  für  die  mit  ihr  in  Geschäftsverbindung  stehenden  Fabrikanten ­
  zu  stellen.  „Irgendwelche  materielle  Sicherheit  beansprucht  die  Gesellschaft
nicht,  sondern  sie  beschränkt  sich  lediglich  auf  Auskünfte“  (Vereinigte  Tabakzeitungen, ­
  Jahrgang  1908,  Nr.  28,  Seite  23  ff.).  Dieses  Unternehmen  dürfte,  falls  es
hält,  was  es  verspricht,  gerade  für  die  kleineren  und  mittleren  Fabrikanten  eine
recht  segensreiche  Institution  werden.

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