Jer Begriff der Harmonie.
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„Wiedererinnerung“ im Mittelpunkt der Lehre vom Ursprung und
Erwerb der Erkenntnis; bei beiden können wir verfolgen, wie er
allmählich immer mehr seine mythischen Bestandteile abstreift
and zu reiner logischer Bedeutung heranreift. Wie Sokrates, der
den ethischen „Begriff“ und damit gegenüber der sophistischen
„Satzung“ die Objektivität des Sittlichen entdeckt, sich dennoch
auf die Lenkung seines sittlichen Daimonions beruft: so spricht
Kepler, der das Gesetz der Natur allen schwankenden Hypothesen
und Meinungen entgegenhält, von dem eigenen Genius, der ihn
bei aller Betrachtung und Untersuchung leite. Und damit ist nicht
nur seine persönliche Geistesart bezeichnet — obwohl auch diese
im Aufbau und der Gestaltung seiner Erkenntnisse bestimmend
mitwirkt — sondern zugleich auf allgemeine Gesichtspunkte und
{nteressen verwiesen, die als Maximen und richtunggebende Kräfte
ler objektiven Forschung wirksam sind.
In diesem Zusammenhange eröffnet sich zugleich das Verständnis
des philosophischen Grundbegriffs, der alle Teile von
Keplers wissenschaftlichem System durchdringt und zur Einheit
(ügt: des Begriffs der Harmonie. Die Harmonie erscheint zunächst
in objektiver Wendung und Bedeutung: sie bezeichnet die
Anschauung der Welt als eines geordneten und nach geometrischer
Gesetzlichkeit gegliederten Kosmos. So bleibt sie nicht
auf den Bau der Gestirne beschränkt, sondern umfasst und beherrscht
gleichmässig alle Gegenstände und Wirksamkeiten der
Natur: wir können sie in der Bildung der Krystalle, wie in der
Struktur der organischen Körper, in den Formen, die die Natur,
wie in denen, die der Instinkt beseelter Wesen erschafft, verfolgen.
Die festen Verhältnisse, die zwischen den Weltkörpern,
zwischen ihren Abständen und ihren Umlaufszeiten bestehen,
bilden nur das markanteste Beispiel des allgemeinen Grundgesetzes.
Und was sich hier der Anschauung als ein Ganzes im
Beisammen des Raumes darstellt, das findet seine genaue Entsprechung
in den Verhältnissen der Zeit und des Nacheinander.
Die harmonischen Zusammenklänge der Töne enthüllen uns den
Bauplan und das Modell der gesamten Wirklichkeit: die geomeirische
Bedingtheit, die darin besteht, dass die Entfernungen
der Planeten nach dem Schema der fünf regulären Körper bestimmt
sind. verschwistert sich mit dem musikalischen Gesetz. das