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Erstes Buch. Land, Leute und Technik.
Eisen und Bronze sind nur durch Schmelzprozesse aus den Erzen herzustellen. Die Erze
enthalten das Metall oxydiert, an Sauerstoff gebunden und mit anderen Stoffen gemischt;
erst der Schmelzprozeß stellt annähernd reines Metall her. Werkzeuge aus solchen setzen
also stets eine gewisse Naturkunde und größere Geschicklichkeit voraus.
Darüber ob ein besonderes Zeitalter der Bronzewaffen und-Werkzeuge anzunehmen,
das dem der eisernen vorangegangen sei, wird heute noch in einer sehr umfangreichen
Litteratur eifrig gestritten. Das Wahrscheinlichste ist nach dem heutigen Stande der
archäologischen und technischen Forschung (Beck, Blümner, Schrader), daß eine primitive
Herstellung schlechter, roher Eisenwerkzeuge so ziemlich überall das ältere war, weil die
Eisenerze bei 7009 0., die Kupfererze erst bei 11000 0. schmelzen, und die Eisenerze
überall verbreitet sind, das zur Bronze nötige Zinn dagegen sehr selten ist; daß dann
aber einige der begabtesten Völker in Asien, Europa und Amerika die vollkommene
Ausnützung der Kupfer- und Zinnlegierung erlernten, und so unter Zurückdrängung der
schlechten und seltenen Eisenwerkzeuge die bronzenen viele Jahrhunderte lang die vor—
herrschende Rolle spielten. Die Bronze ist schöner, leichter schmelzbar, hämmerbarer; sie
rostet nicht, jedes zerbrochene Stück ist wieder brauchbar, fie kann durch die verschiedenen
Zinnzusätze von 200 bis zu 80/0 beliebig hart oder weich gemacht werden; ihre Haupt—
verarbeitung bedarf keiner Heizvorrichtung. Und wenn die Bronzewerkzeuge zu den
großen Steinbauten der beginnenden Civilisation nicht ausreichten, für die gewöhnlichen
Waffen, Werkzeuge, Schmuck- und Haushaltungsgegenstände waren sie gleich brauchbar,
ja teilweise brauchbarer als Eisen. Der erste Sitz einer großen Bronzeindustrie war
das femitische Westasien; von da hat der Handel erst die fertigen Produkte, später den
Rohstoff und die Technik weit verbreitet. Die Griechen und die Etrusker waren die
Erben der phönikisch-semitischen Bronzekunst. Anderwärts hat die Bronzetechnik nicht
dieselbe Rolle gespielt. Die Eisenbereitung hatte wahrscheinlich bei den mongolisch—
turanischen Stämmen, von welchen das erste Eisenvolk des Altertums, die Chalybäer
am schwarzen Meer ein Splitter sind, zuerst eine größere Bedeutung, kam von ihnen
nach China (2800 v. Chr. nachweisbar) wie zu den turanischen Iberern und Basken;
die Agypter hatten sie 3000 v. Chr. wahrscheinlich mit dem Siß in Äthiopien. Die
Kelten und Britannen sind eisenkundiger und -reicher als die Römer, welchen unter
NRuma der Eisenschmied noch fehlt; die Kelten sind die Begründer der norischen (sseierischen)
Eisenbergwerke. Die germanischen Völker erscheinen nach ihrer Trennung von den
anderen indogermanischen, nach Westen ziehenden Völkern als schmiedekundig, aber erst
die zwölf bis vierzehn Jahrhunderte nach Chr. dehnten die primitive Eisengewinnung
bei ihnen nach und nach etwas weiter aus. Die großen Bauten Ägyptens, Assyriens
und später die Perus sind ohne Eisenwerkzeuge nicht denkbar. Im ganzen hat die
Mittelmeerkultur mehr durch die Bronze, haben die nordischen Völker mehr durch das
Eisen die ersten Fortschritte der Metalltechnik vollzogen, und insofern geht eine füdliche
Evoche der Bronze der nördlichen des Eisens historisch voran.
Die älteste, roheste Eisengewinnung aus zerkleinerten Erzen geschah in offenen,
kleinen, mit Kohlen geheizten Ofen; das Ergebnis waren nur schwammige, unreine,
unschmelzbare Eisenstücke, die Luppen, aus denen durch Rothämmern ganz schlechtes
Schmiedeeisen entstand. Das systematische Zerkleinern, Auslesen und Unlerscheiden der
Erze, die Luftzuführung durch Blasebälge (es waren ursprünglich zusammengenähte
Ziegenfelle), die Zusetzung von kieselartigen Schmelzmitteln und das befsere Hämmern
der niedergeschmolzenen kleinen Luppen von ein oder ein paar Kilogramm waren die
großen Fortschritte, die schon in der ältesten historischen Zeit sich da erkennen lassen,
wo besonders günstige Bedingungen das Eisengewerbe förderten. Je nach der Auswahl
der Erze, der Hitze und der Luftzuführung und weiterer Behandlung erhielt man Stahl
mit 0,6—1,6 0/0 oder Schmiedeeisen mit 0,1-0,80/0 Kohlenbeimischung, welche bei
Griechen und Römern schon unterschieden werden. Immer war die Technik eine so
unvollkommene und kleinliche, daß man berechnet hat, mit ihr würde auch heute ein
Centner Eisen, der jetzt 325 Maͤrk kostet, auf 170 zu stehen kommen. Vor dem
12.—13. Jahrhunderten. Chr. sind erbebliche weitere technische Fortschritte nicht mehr