$ 44. Die Zentralisierung der Kassenhaltung in den Banken, 371
eldes (darunter einbegriffen Banknoten usw.) andererseits angeht, ist
Fisher für die Vereinigten Staaten und das Jahr 1909 zu folgenden
Ergebnissen gekommen?!): das Geld, das sich wirklich in Zirkulation
befindet, also nicht als Reserven der Banken oder der Treasury ruht,
beträgt 1,6 Milliarden Dollars. Die Depositen belaufen sich auf mehr
als das vierfache, nämlich 6.7 Milliarden Dollars. Die Zahlungen in Geld
betragen 34 Milliarden. Dollars pro Jahr, die Zahlungen in Schecks da-
gegen 353 Milliarden Dollars, also den ungleich größeren Teil der Ge-
amtsumme aller Zahlungen, die auf die gewaltige Summe von 387 Milli-
arden Dollars steigt.
Das quantitative Verhältnis zwischen Depositen und Geld in der
Zahlungsmittelversorgung der Volkswirtschaft wechselt bedeutend von
Land zu Land und ist auch innerhalb eines Landes auf die Länge der
Zeit Veränderungen unterworfen, gewöhnlich in der Richtung, daß der
Gebrauch von Depositen als Zahlungsmittel sich mehr und mehr ver-
breitet. In einem gegebenen Zeitpunkte ist aber dieses Verhältnis
durch die Gewohnheiten des Volkes bestimmt und demnach als eine ge-
gebene Größe zu betrachten. Das Publikum wird auf seinen Scheck-
echnungen eine Depositensumme halten, die in diesem bestimmten Ver-
ältnisse zu der tatsächlich zirkulierenden Geldmenge steht, weder mehr
noch weniger. Wenn also die Banken durch ihre Vorschüsse einen
Überschuß von Depositen schaffen, werden sie gleich Forderungen an
Barzahlung zu begegnen haben. Natürlich ist das gedachte Verhältnis
zwischen Depositen und Geld kein absolut festes. Bei gewissen Ge-
legenheiten richtet sich die Nachfrage nach Zahlungsmitteln besonders
nach Depositen, bei anderen Gelegenheiten nach Geld. Aber auch diese
Abweichungen beruhen auf selbständigen Ursachen, die in der Haupt-
sache dem Einflusse der Banken entzogen sind.
Die moderne Entwicklung des Bankwesens hat die ganze Zahlungs-
mittelversorgung der Volkswirtschaft in die Hände der Banken gelegt.
enn man eine geschlossene Volkswirtschaft mit Goldwährung betrach-
et, und wenn man von der Möglichkeit einer Goldproduktion absicht,
kann die Gesamtmenge der effektiv wirksamen Zahlungsmittel, also die
Summe des zirkulierenden Geldes und der Depositen nur unter Mit-
wirkung der Banken vermehrt werden. Daß die Depositen ohne Ver-
minderung der zirkulierenden Geldmenge nur durch‘ Ausdehnung der
orschüsse der Banken vermehrt werden können, liegt auf der Hand,
aber auch eine Vermehrung der zirkulierenden Geldmenge ist nur da-
urch möglich, daß die Banken Geld aus ihren Reserven hergeben. Die
KU Nachfrage nach Zahlungsmitteln wendet sich also an die Banken,
und jede Erweiterung der Zahlungsmittelversorgung der Gesellschaft
hängt von einer entsprechenden Erweiterung der Vorschüsse der
Banken ab. }
5 Fi$her: The purchasing power of money. Newyork 1912, p. 305.
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