Metadata: Die deutsche Hausindustrie

§ 2. Lohnverhältniffe 
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nicht höher wie 6 bis 9 M. pro Woche, Fabrikarbeiterinnen höchftens auf 
8 bis 12 M. i) 
Ähnlich niedrige Löhne waren von jeher üblich in der Sonneberger Spiel- 
warenhausinduftrie. * 2 ) 
Im allgemeinen kann man diefelbe Beobachtung machen wie in der Spiel- 
wareninduftrie: vornehmlich jene hausinduftriellen Arbeiten, die keine fonder 
liche Vorbildung erfordern und rafch erlernt werden, find fchlecht bezahlt. 
So können die Teiloperationen, in welche die Fabrikation künft- 
licher Blumen zerlegt ift, fehr leicht erlernt werden, und bringen 
Kindern und Mädchen bald gewiffe Löhne, die aber nie eine angemeffene Höhe 
erreichen. Eine folche Arbeiterin kommt in den erften Monaten auf nur 
9 bis 15 M. pro Monat, in den erften beiden Jahren feiten auf mehr als 20 bis 
30 M. monatlich, und erft nach mehrjähriger Arbeit fteigt der Verdienft, falls 
viel Fleijz und Gefchick vorhanden ift, auf 40 bis 50 M. monatlich. 3 ) 
Wie erftaunlich niedrig gerade in der Blumenmacherei die Löhne find, 
ward gelegentlich der modernen Blumentage vor einer breiten Öffentlichkeit 
in ein grelles Licht gerückt. 4 ) Da wurden für ein Gros von Margariten- oder 
Kornblumen oft nur 5, 6 oder 8 Pf. gezahlt, und die Heimarbeiterin konnte bei 
grofzer Gefchicklichkeit erft in zwei Stunden ein Gros anfertigen. 
Noch ein Wort über die W e b e r I ö h n e, die mancherorts das berüchtigt 
gewordene „Weberelend“ herbeigeführt haben. Auf den Kämmen des 
Eulengebirges kann der Baumwollweber in Zeiten, da er frei ift von 
ländlichen Arbeiten und ohne Raft und Ruh von frühmorgens bis tief in die 
Nacht am Webftuhl fitzt, es'nur auf 5 bis 6 M. wöchentlich bringen; wenn er 
die Hilfsaktionen (Scheren, Spulen) nicht durch die Familie, fondern felbft 
beforgt, fogar nur auf \ M. Der Halbleinenweber kann bei angeftrengtefter 
Arbeit höchftens 7 M. wöchentlich verdienen. Auf dem Obereichsfeld 
fchwankt je nach der^Güte der Ware der Lohn der Weber zwifchen 6 und 12 M. 
in der Woche. Dabei beträgt die tägliche Arbeitszeit durch fchnittlich 15 
Stunden, und Frau oder Kinder beforgen häufig die Vorarbeiten. 5 ) 
') G. Meyer, Die Spielwareninduftric im fächfifchen Erzgebirge, Leipzig 
19M, 63. 
2 ) 0. Stil lieh, Die Spielwarenhausinduftrie des Meininger Oberlandes, Jena 
1899, 67 ff; H e i fz und Koppel a. a. 0. 
3 ) G. N e u h a u s, Die Putzinduftrie in Berlin, Sehr. d. V. f. S. 85, 37- 
4 ) E. Gnauck - Kühne im „Tag“ vom 15. Juni und 11. Juli 1911. 
5 ) A. Glücksmann, Die Hausweberei im fchlefifchen Eulengebirge, Sehr, 
d. V. f. S. 84, 479; J. P. Baum, Die wirtfchaftliche Entwicklung des Obereichsfeldes 
in der Neuzeit, Berlin 1903, 14-
	        
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