thumbs : Grundfragen der Wirtschaft

einer bürgerlichen Partei einmünden und sich selbst damit auf—
geben.
Die Erziehungsarbeit, die die Sozialdemokratie geleistet hat, muß
ich deshalb auch ganz anders einschätzen wie Horneffer. Daß in ihr
sehr viele tüchtige Kräfte tätig gewesen sind und noch sind, unterliegt
keinem Zweifel, ebensowenig, daß diese auf organisatorischem Gebiet
Außerordentliches geleistet haben. Aber was nützen alle diese Leistun⸗
gen, wenn sie von falschen und verderblichen Grundanschauungen aus—
gehen und demgemäß auch zu falschen Zielen führen? Es ist doch ein
gar zu bescheidener Standpunkt, wenn man sagt, ohne diese Erziehungs
arbeit wäre es noch schlimmer gekommen, ohne sie wären wir dem
Bolschewismus verfallen. Diese Annahme setzt für die Masse des
deutschen Volkes ein solches Maß von Unvernunft voraus, daß ich
mich dem durchaus nicht anschließen kann. Ich bin vielmehr der
Meinung, daß ohne die Arbeit der Sozialdemokratie das deutsche
Volk sich niemals so in die Irrgänge des Klassenhasses auf der einen
Seite und der falschen Völkerverbrüderung auf der anderen Seite
berloren hätte, wie es geschehen ist.
Ich gehe auch durchaus nicht in der ungünstigen Beurteilung
der Masse so weit wie Horneffer. Die Masse ist schwerfällig und
mißgünstig. Sie läßt sich andererseits aber auch zum Guten be—
geistern, wie das die Augusttage von 1914 bewiesen haben. Daraus
geht hervor, daß in ihr sehr gesunde Kräfte schlummern, die nur
geweckt werden müssen. Weil diese gesunden Kräfte in den August—
tagen 1914 mit so elementarer Macht aus dem Volk hervorbrachen,
deshalb hat der Sozialismus, der seiner Natur nach international
gerichtet ist, damals sich auch auf das Vaterland besonnen. Wäre
der Reichstag aufgelöst worden wegen Verweigerung der Kriegskredite
durch die Sozialdemokratie, so wäre die Partei wahrscheinlich von den
Wogen der nationalen Begeisterung weggeschwemmt worden.
So pessimistisch im Grunde die Einstellung Horneffers gegenüber
dem Volke ist, so pessimistisch ist auch seine Auffassung bezüglich ihrer
wirtschaftlichen und sozialen Triebe. Schon die Voraussetzung für
diese Triebe erscheint mir unrichtig, wenn er meint, daß der Arbeiter
abgeschnitten sei von der Kapitalbildung, daß er nur von der Hand
in den Mund lebe, daß ihm im Gegensatz zu früheren Zeiten jede
sichere Grundlage der Existenz fehle. Ich habe früher schon nach—

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