386 Dr. Finkenwirth:
die größte Aufmerksamkeit zu widmen. Die glückliche Zeit, in der die
Eisenbahnen nicht scharf zu rechnen brauchten, sondern die Gegen.
wart durch Anlagen für einen erst in späterer Zeit eintretenden größe-
ren Verkehr und durch Vermehrung der Wertsubstanz aus laufenden
Einnahmen zugunsten der Zukunft belasten konnte, sei vorbei. Blum
sagt: Die Reichsbahn ist gezwungen, sich in den technisch-wirtschaft-
lichen Grundanschauungen umzustellen, es darf heute nicht mehr „Zu
Gutes‘ geschaffen werden, der technische Apparat muß so unterhalten,
erneuert und weitergebildet werden, daß den Notwendigkeiten des
geringer gewordenen Verkehrs entsprochen wird, und in allen Bau-,
Betriebs- und Verkehrsmaßnahmen muß zum Ausdruck kommen, daß
ein verarmtes Volk sich auch bezüglich seiner Ansprüche an den Ver-
kehr zur Bescheidenheit zu bekennen hat, Das Grundgesetz der Wirt-
schaftlichkeit muß auf das genaueste beachtet werden: „Mit dem ge-
ringsten Aufwand von Mitteln ist das Ausreichende zu schaffen, also
nicht etwa das Beste.”
Diese Sparsamkeit in der Ausführung vorangestellt, fordern Blum
und Rabe Beschaffung modernster Betriebsmittel,
Neuerungenim Bau und Umstellungen im Betrieb, um
den Wirkungsgrad des Eisenbahnbetriebs zu erhöhen. Man gebe sich
keinem ungerechtfertigten Optimismus hin, wenn man behaupte, daß
wir auf eine Ermäßigung der Selbstkosten hoffen dürften; denn die
deutsche Technik könne, wie sich z. B, auf der Eisenbahntechnischen
Tagung in Berlin und durch die Ausstellung in Seddin erwiesen habe,
der Deutschen Reichsbahn große technische Fortschritte zur Verfügung
stellen, Wie die monatlichen Berichte der Reichsbahn zeigen, hat sie
Verbesserungen auf technischem Gebiet schon vielfach eingeführt, so
daß sich die Erfolge bereits einzustellen beginnen, So beweist die
fortschreitende Einschränkung des Werkstättenpersonals, daß der Be-
trieb in den Werkstätten rationeller geworden ist; neukonstruierte
Lokomotiven erbringen, z. B. auf den Gebirgsstrecken des Breslauer
Bezirks, unerwartet gute Ergebnisse, Die Umstellung des gesamten
Zugverkehrs auf die Kunze-Knorr-Bremse hat große wirtschaftliche Vor-
teile, da die Geschwindigkeit der Züge bei gleicher Betriebssicherheit
gesteigert werden kann und da nach fachmännischem Urteil beträcht-
liche Ersparnisse beim Bremsen erzielt werden; man hat ausgerechnet,
daß die Kosten des Einbaues in alle neu in Dienst gestellten Güter-
wagen allein durch die ersparten Gehälter für die Bremser in höchstens
10 Jahren getilgt sein werden, Ohne auf Einzelheiten einzugehen, sei
hier an Neuerungen technischer Art, die einen wirtschaftlicheren Be-
trieb ermöglichen sollen, genannt: die selbsttätig wirkende Mittelpuffer-
kupplung, die Turbolokomotive von Krupp, bei der die Wärmeein-