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bb. ein großer Theil der Donrainen Bauern die baareZalungen, wie sie
angenommen sind, nicht werden leisten können, und daß hier, um das
in seinen Folgen rackiealiter verderbliche Schenken und Niederschlagen
zu verhüten, andere Leistungen zu substituiren waren.
2. Die Regierung zu Marienwerder, welche ihrem Standpunkte und ins
besondere ihrem Aufenthalts-Orte nach, die allgemeinen Verhältniße
weniger zu übersehen imStande ist, ist derAnsicht des isolirt lebenden
Ackerwirths gefolgt, der unbekümmert um den Gang der Dinge in
der Welt nur hohe Preise haben will und dem Oouvernement zu
mutet, daß es diese besorge. Sie will Getreide Kauf. Der Bericht zeigt,
daß ihr die Uebersicht des letzten Roggen Ankaufs Geschäftes fehlt;
denn ihre Berechnung des dabey stattgesundenen bedeutenden Ver
lustes ist so unrichtig, als ihr der große Nachtheil, den diese Operation
auf die Preise in Holland und so auch bey uns hervorgebracht hat,
unbekannt ist. Sie scheint überhaupt die hohe Landesväterliche Absicht
bey jenem Roggen Ankauf nicht zu durchschauen, wo der Landes Herr
bey den: Anfange der Crisis seinen Untertanen durch den Kauf die
Absicht des Beistandes zwar zeigte und so Ehrfurcht gebietend handelte,
aber auch voraussetzte, daß die Untertanen wohl zu der Einsicht kommen
würden, daß, wo von keiner Oonjunütur, sondern von dem Gange
der Produkzion überhaupt die Rede ist, kein Oouvernomvnt die Ordnung
aufheben kann, welche Gott einmahl in die Welt gesetzt hat. Sie scheint
auch selbst vor ihrem Antrage zu erschrecken und will, daß nur ein kleines
Ouantum gekauft werde, als ob eine aufgestauete Flut nicht furcht
barer tobt, wenn der Dam aufhört, als wenn sie sich allmählig ver
läuft, und als ob nicht das geringere Ouantum jetzt binnen wenigen
Wochen erreicht und dann der Fall um so grober seyn würde.
Das:
„immer einSilber-Groschen mehr" ist gut, wenn man das Ouantum in
seiner Macht hat; hier würde aber, da der Marienwerdersche Bezirk doch
nicht geschlossen werden kann, bey der diesjährigen ErndtederWeg-Kauf
bedeutende Summen erforderen, und diese Summen würden, weil wir im
nächsten Jahre gerade auf demselben Punkt seyn würden, nichts helfen;
dazu kommt, daß wir bey einem Roggen-Ankauf Maaßregeln gegen
fremdes Gut nehmen müßten, denn gerade int Marienwerderfcfien
Departement ist ein großer Theil des an der Grenze gekauften Roggens
von einer Oualitaet, wie er dort in der Regel nicht zum Markte kommt,
und den Pohlen können wir doch mit unserem baaren Gelde nicht die
Preise heben wollen.
Ich stelle die Beschlüsse auf beide Berichte untertänigst und gehorsamst
anheim, und füge mein Gutachten wie folget bey: