Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

Beilage  Nr.  V.
Gutachten  v.  Schöns  über  den  Getreideankauf  und  über  die
Notstandsarbeiten.
(Danzig  St.  A.  161,  135,  Konzept.)
Danzig  den  27.  Septbr.  1823.
Sr.  König!.  Hoheit  dem  Kronprinzen,
und
An  E.  K.  hochlöbl.  Staats-Ministerium
Berlin.
Die  überaus  gesegnete  Erndte  in  Roggen,  Gerste,  Hafer,  Erbsen  und
Kartoffeln  hat  natürlich  zur  Folge  gehabt,  daß,  ungeachtet  der  Landmann
noch  beschäftigt,  also  die  eigentliche  Verkaufszeit  noch  nicht  eingetreten  ist,
doch  die  Preise  bedeutend  gesunken  sind.  Tritt  jene  Verkaufszeit,  wo  baare
Leistungen  vom  Landmanne  gefordert  werden,  ein,  so  besorgt  man  einen
noch  tieferen  Fall,  so,  daß,  da  die  baaren  Leistungen  häufig  auf  höhere
Preise  fundiert  sind,  hier  ein  Mißverhältniß  voraus  zu  sehen  ist,  welches,
komnit  es  unvorbereitet,  große  Verlegenheiten  erzeugen  kann.
Es  sind  darüber  Vorstellungen  mancherley  Art  an  die  Regierungen
gekommen,  und  damit  diese  nicht  die  Sache  einzeln  betrachteten  und  aufnahmen ­
  und  nicht  einseitige  Ansichten  verfolgten,  bat  ich  beide  Collegia,
die  Lage  der  Sache  gründlich  und  ausführlich  in  Erwägung  zu  ziehen  und
dann  über  das,  was  zu  thun  sey,  ihre  Meinung  vorzutragen.
Ich  überreiche  die  Berichte  beider  Regierungen.  Die
1.  zu  Danzig  hat  die  Sache  meines  Erachtens  gründlich  und  klar  aufgesetzt, ­
  sie  sieht,  daß  nicht  ein  momentanes  Uebel  zu  bekämpfen  oder
eine  augenblickliche  Conjunütur  zu  besiegen  ist,  sondern  daß  davon
nur  die  Rede  seyn  könne,  da  wo  bestehende  Staats-Einrichtungen  zu
dem  neuen,  schnell  eingetretenen  Stande  der  Dinge  nicht  passen,  diese
zu  mockikiviren,  und  in  der  Sache  selbst,  welche  kein  Oouvernemsnt
herbeigeführt  hat  und  kein  Oouvernement  heben  kann,  Jedem  zu
überlaßen,  daß  er  seine  Verhältniße  dem  neuen  Stande  der  Dinge
anpasse.  Sie  hat  daher  von  der  Meinung,  als  ob  ein  Oouvernement
durch  Mit-Getreide-Handel  den  Getreide-Preiß  bestimmen  könne,
ganz  adstaüirt  und  nur  zu  erforschen  gesucht,  wo  in  Absicht  der  baaren
Leistungen  an  König!.  Eaßen  der  Anlage  offenbar  ein  höherer  Preiß
zum  Grunde  liegt,  und  sie  hat  gefunden:
a.  daß  bei  der  Klaßen-Steuer  die  3  unteren  Klaßen,
b.  bey  den  Gutsherrlichen,  nicht  Landesherrlichen  Einkünften
aa.  die  neueren  Domainen-Erbpächter,  und
            
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