Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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den  allgemeinen  Gang  der  Produkzion,  wie  ihn  jeder,  der  mit  den
allgemeinen  Verhältnissen  bekannt  ist,  übersieht,  kann  kein  Gouvernement
hemmen  oder  ableiten.  Jeder  Landwirth,  dessen  Gedanken  oder  Pläne,  von
dieser  Ordnung  noch  abweichend  sind,  muß  durch  Erfahrung  zur  Einsicht
kommen,  und  durch  Mehr-Erban,  durch  erhöhte  Industrie,  durch  Wirthschaftlichkeit,
  durch  Aufnahme  von  Produkzions-Zweige,  welche  er  bisher
vernachläßigte,  suchen,  sich  mit  seiner  Zeit  in  ein  Eben-Maß  zu  setzen.  Kein
Gouvernement  kann  dieß  durch  Befehle  oder  Maßregeln  ans  einmahl
hervor  bringen,  es  kann  nur  positive  und  negative  helfen  und  beistehen,
damit  die  Landwirthe  bald  zur  richtigen  Ansicht  kommen,  und  damit  das
richtige  Verhältniß  mit  dem  geringstmöglichen  Nachtheile  bald  eintrete.
Der  Stoß  ist  für  ein  so  großes  und  so  ausgebreitetes  Ereigniß  schnell  gekommen, ­
  und  daher  erzeugt  er  große  Verlegenheit.  Durch  den  Roggen
Ankauf  haben  unser  Gouvernement  zu  milldern  versucht,  und  der  dabey
stattgefundene  bedeutende  Geldverlust  wird  reichlich  und  überreichlich
durch  moralischen  Gewinn  gedeckt.  Aber  den  Roggenkauf  als  Staatswirthschaftliche
  Maßregel  halten  und  fortsetzen  zu  wollen,  würde  an  Vermessenheit ­
  grenzen.  Es  kommt  meines  Erachtens  jetzt  zunächst  und  dringend
daraus  an:  die  Mißverhältnisse  zu  mildern,  welche  in  Absicht  der  wirklichen
ProduktenPreise,  und  derer,  welche  bey  StaatsAbgaben  angenommen
sind,  vorzugsweise  jetzt  stattfinden,  schon  damit  das  Gouvernement  nicht
den  Vorwurf  auf  sich  lade,  daß  es  in  einer  Sache,  in  der  die  gegenwärtige
Zeit  entscheidend  ist,  außer  der  Zeit  sey.  Diese  Aufgabe  hat  die  Regierung
zu  Danzig  zu  lösen  versucht,  und  ich  stimme  ihr  bey,  daß
1.  der  DomainenBauer  seinen  Zinß  in  einigen  Gegenden  nicht  ganz  in
baarem  Gelde  wird  abtragen  können  und  für  das,  was  er  bei  seiner
jetzigen  Wirtschafts-Art  von  dem  Erbauten  verkaufen  kann,  nicht  so  viel
Geld  einnehmen  wird,  als  er  zahlen  soll;
2.  der  kleine  Bauer  und  der  Tagelöhner  in  mehreren  Gegenden  seine
Steuer  nicht  wird  entrichten  können.  Für  den  kleinen  Bauern  ist
seinem  CulturStande  nach  die  baare  Zalung  groß,  und  der  Tagelöhner ­
  wird  in  einigen  Gegenden  kein  Geld  einnehmen  können,  weil
der  Grundbesitzer  nichts  für  Arbeit  auszugeben  hat;
3.  die  neuen  Erbpächter,  bey  denen  zwar  der  rohe  Ertrag  genau  ausgemittelt ­
  ist,  bey  denen  aber  HauPtAusgaben  gar  nicht  in  Anschlag
gebracht  sind,  da  die  Differenz  des  Anschlags  und  des  Marktpreises
diese  deckte,  dem  größten  Theile  nach  jetzt  nicht  bestehen  können,
und  daß  in  Absicht  der  Königl.  Zeit-Pächter  in  jedem  einzelnen
Falle  das,  was  zu  thun  ist,  vorbehalten  bleiben  könne.  Ich  dehne  dies
zugleich,  nach  meiner  genauen  Kenntniß  der  Provinz,  auf  das  Departement ­
  der  Regierung  zu  Marienwerder  aus.
            
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