Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 157 
18. Jahrhundert zeitweis an Geiste deutsch gewesen ist; das 
um so mehr, als Gerhard den Ausschreitungen des Adels zur 
See wie zu Lande kräftig im Sinne einer Stärkung der Staats⸗ 
gewalt entgegentrat. Allein der Versuch endete gewaltsam. 
Am 1. April 1840 ward Graf Gethard von einem edlen Jüten, 
Niels Ebbeson, ermordet. 
Mit der Eroberung Dänemarks war das Ideal und bis 
zu einem gewissen Grade auch die Wirklichkeit einer Ostsee⸗ 
herrschaft an das Haus der Holstengrafen übergegangen; im 
Jahre 1339 hat eine holsteinisch-dänische Flotte im Verein mit 
städtischen Orlogschiffen die Befriedung des Westbeckens unter⸗ 
sommen. War es eine Lösung, die den deutschen Städten be⸗ 
hagen konnte? Die Grafen von Holstein waren unmittelbare 
Nachbarn Lübecks; in der Stadt selbst wies das Holstenthor 
auf sie hin; sollte die heutige Inschrift dieser Porta nigra des 
Ostens Concordia domi foris pax sich besonders leicht verwirk— 
lichen lassen, wenn der nächste fürstliche Nachbar die Führer— 
schaft zur See besaß? Lieber eine dänische Obmacht, als eine 
holsteinische, wenn eine städtische unmöglich war! 
So hatten die Städte schon in den letzten Jahren Gerhards 
des Großen gegen dessen dänische Herrschaft gewirkt. Jetzt, 
nach seiner Ermordung, begünstigten sie in jeder Hinsicht die 
Rückkehr des berechtigten Thronerben Waldemar, eines Sohnes 
Königs Christophs, der seine Jugend als Verbannter bei seinem 
hrandenburgischen Schwager Ludwig verbracht hatte. Ein 
—00— höchst begabter Mann, kehrte Waldemar 
im Jahre 1340 nach Dänemark zurück; mit Hilfe Lübecks und 
der wendischen Städte warf er den holsteinischen Adel aus dem 
Lande; und mit Unterstützung des Markgrafen Ludwig, ja sogar 
unter Teilnahme deutscher Reichstruppen, die Ludwigs Vater, 
der Kaiser Ludwig, sandte, beschränkte er die Grafen auf ihren 
irsprünglichen, von Elbe und Eider umgrenzten Machtbereich. 
Damit schien das Gleichgewicht der Mächte an der Ostsee 
um so eher wiederhergestellt, als Brandenburg machtlos blieb 
und Waldemar von Danemark den dänischen Besitz im äußersten 
Dsten, Esthland, im Jahr 1346 an den deutschen Orden ver—
	        
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