Erstes Kapitel.
Die habsburgische Hausmacht unter Raiser
Marimilian J.; KFönigtum und ständischer
Föderalismus.
Im vorletzten und drittletzten Jahrzehnt des fünfzehnten
Jahrhunderts war im Westen des Reiches die burgundische Herr—
schaft, mit mehr als zwei Dritteln ihres Gebietes innerhalb
der alten Reichsgrenze gelegen, zu einer ständigen nicht mehr
bloß deutschen, sondern schon westeuropäischen Gefahr heran⸗
gewachsen; im Norden war Holstein verloren und die Hanse in
vollem Rückgang; im Osten erschien das Deutschordensland von
Polen aufgesogen, die Lausitz, Schlesien, Böhmen und Mähren
don Ungarn; Polen stand auf seiner ersten großen Machthöhe;
in Wien residierte Matthias Corvinus; der Kaiser aber irrte
landflüchtig in den centralen Resten des Reiches umher, die
oon lokalen Fehden und allseitigem Mißtrauen erfüllt waren.
Das waren die Zustände des Reiches, die einem Vertreter des
eben emporkommenden Humanismus wohl gestattet haben würden,
mit Tacitus von den urgentia fata cadentis imperii zu reden.
Es war die Lage, unter der der junge Marimilian, der
Sohn Kaiser Friedrichs, gegen den Willen seines Vaters am
16. Februar 1486 zum römischen König gewählt ward.