Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Weiterbildung der religiösen Ideen, soziale Revolution. 341 
spielten, wären auch an der Donau möglich gewesen. Allein 
indem die Empörung den Rhein hinabschritt und sich den 
größeren Territorien des Elsasses sowie der Pfalz näherte, erhielt 
fie auch einen veränderten Charakter. Zwar galten auch hier die 
Zwölf Artikel fast stets als das zu verwirklichende Programm 
wirtschaftlicher und sozialer Forderungen; aber daneben stellten 
sich neue, territorialpolitische Bitten und Beschwerden ein; 
schon im mittleren Elsaß forderten die Bauern von Reichenweier, 
Kaisersberg und anderen Dörfern!: wenn sie einen Amtmann 
hätten, der nicht für sie sei, so wollten sie Gewalt haben, einen 
nach ihrem Gefallen zu setzen; sie wollten auch keinen anderen 
Fürsten haben, als der ihnen gefiele. Und Bestrebungen dieser 
Art, die sich im Elsaß noch in einem uferlosen politischen 
Radikalismus verloren, wurden in der Pfalz von dem ver— 
ständigen Kurfürsten Ludwig V. zu nützlichen Reformen um— 
gebogen, indem er, nach blutiger Besiegung der aufständischen 
Bauern, sie selbst in die Hand nahm und ihren berechtigten 
Kern auf dem gesetzlichen Wege des Landtagsbeschlusses ins 
Leben führte. Weitaus am deutlichsten freilich zeigt sich die 
neue Phase, in welche die bäuerliche Bewegung mit der Auf— 
stellung territorial-politischer Forderungen getreten war, fern 
vom ursprünglichen Gebiete des Aufstandes, in Oesterreich, be— 
sonders in Tirol. Hier hatte der Haß des Volkes von vorn— 
herein nicht nur den Grundherren, sondern auch den Landes— 
herren und deren zu voller bureaukratischer Wirkung entfalteter 
Verwaltung gegolten. Schon unter Kaiser Max hatte man 
geklagt, doch hatte die volkstümliche Gestalt des Herrschers immer 
wieder obgesiegt über das Grollen der Massen. Jetzt aber 
regierte Ferdinand, das spanische Blut, und unter ihm be— 
fahlen fremde Räte, und der neue Glaube, inbrünstig em— 
pfangen, ward verfolgt, und die altgläubigen Großkaufleute, 
die Gläubiger Ferdinands, wurden geschont und mit landes— 
feindlichen Privilegien überschüttet. 
Im Spätherbst des Jahres 1525 regte sich der Aufstand; 
Hartfelder S. 93f.
	        
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