Wirtschastliche und soziale Wandlungen vom 14. zum 16. Jahrh. 63
listische Wesen des Kapitals als Unternehmerfonds hatte völlig
gesiegt über die ältere Auffassung. In der That waren, sieht
man ganz ab von den Ringen, welche den sittlichen Anschauungen
der Zeit und den idealen Kräften jeder vernünftigen sozialen
Fortbildung Hohn sprachen, auch schon die kaufmännischen Ge—
sellschaften, die offene Gesellschaft wie die Kommanditgesellschaft,
auf einem Boden erwachsen, der mittelalterlichen Anschauungen
fern, ja feindselig gegenüberstand. Die mittelalterliche Ge—
nossenschaft stellte die Person in den Vordergrund, darum kannte
sie als Wirtschaftskraft grundsätzlich nur die Arbeit; das
Kapital konnte nur als Beigabe der Arbeit Anerkennung finden.
Der kaufmännischen Gesellschaft dagegen sind die Personen nur—
Beigaben des Kapitals; sie unterhält zu ihnen nur eine sach—
liche, durch das Kapital vermittelte Verbindung an Stelle der
persönlichen der mittelalterlichen Genossenschaft; ihre Vertrags—
beziehungen sind objektiver Art, unpersönlich; sie lassen dem
einzelnen Teilhaber seine Sonderexistenz, seine individuale
Freiheit gegenüber der personalen Gebundenheit der alten
Genossenschaft.
Es waren unvereinbare Gegensätze; es war ein vollkommener
Bruch mit dem Leben der mittelalterlichen Stadt. Und er be—
schränkte sich nicht bloß auf die kaufmännischen Kreise. Auch
die Zünfte waren zum guten Teil kapitalreich geworden: sie
mußten der gleichen Einwirkung, wenn auch in verminderter
Stärke unterliegen. Sie aber waren die politisch führenden
Kreise des 15. Jahrhunderts, die Träger der städtischen Ver—
fassung; mit ihrer Wesenswandlung mußte zusammenstürzen,
was nur an Großem und Schönem aus der mittelalterlichen
Entwicklung der Städte hervorgegangen war.
Die Zünfte haben sich gegen den drohenden Umsturz lange
und kräftig zur Wehr gesetzt. Sie wollten festhalten an dem
sozialistischen Ideal ihrer Genossenschaft. Sie suchten mit
—DDD