730 Einundzwanzigstes Buch. vViertes Kapitel.
der Krieg auf rheinischem Boden in der tödlichsten Langenweile
von Märschen und Positionsänderungen hin, während die
entscheidenden Vorgänge sich auf dem italienischen Kriegs—
theater abspielten. Hier kam es im Jahre 1734 zu den
Schlachten bei Parma an der Secchia und bei Guastalla, die
alle Niederlagen Öfsterreichs bedeuteten“, und ihnen folgte
im Jahre 1785 der Friede. Was er nach dem Verlaufe des
Krieges für das mitteleuropäische Staatensystem bringen
mußte, war klar: den Verzicht des Reiches auf Lothringen.
Dabei wurde das lothringische Herzogshaus durch Toscana
entschädigt, während Frankreich auf das polnische Königtum
Leszezynskis verzichtete und dem flüchtigen Könige die Herzog⸗
tümer Lothringen und Bar auf Lebenszeit zur Entschädigung
zuwies.
War nun in all diesen Wendungen und Wandlungen
irgendwie von den preußischen Ansprüchen auf Jülich⸗Berg
die Rede gewesen? Bitter empfand es Friedrich Wilhelm J.
daß er ganz als nebensächliche Figur behandelt worden war.
Aber noch Schlimmeres drohte. Mit dem Wiener Frieden ent⸗
spann sich zwischen sterreich und Frankreich ein immer
freundlicheres Verhältnis — und Frankreich war von alters her
ein Beschützer der Pfälzer, die dem Könige von Preußen in
Jülich-Berg entgegenstanden. In diesem Zusammenhange kam
es denn 1738 zu einer Maßnahme, die Friedrich Wilhelm
bei seiner Auffassung der österreichischen Vertragstreue geradezu
als ein Verrat des Hauses Habsburg erscheinen mußte. In
diesem Jahre legten nämlich Frankreich, Holland und England,
die alle eine Hohenzollernherrschaft am Rheine nicht liebten,
und mit ihnen sterreich dem Berliner Hofe einen Vergleichs⸗
vorschlag mit der Pfalz vor, demzufolge der Pfalzgraf beim
Absterben des jülich-bergischen Herzogs zunächst, provisionell,
dessen Länder in Besitz nehmen sollte — unter Vorbehalt nur
des preußischen Anspruches.
Was sollte Friedrich Wilhelm darauf antworten! Er
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