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Dichtung.
der entscheidenden deutschen Revolutionszeit von 1885 auf 1886,
mit den Tragödien „Der Vater“ (1887) und „Fräulein Julie“
(1888). Innerhalb der russischen Litteratur stand Turgenjew
so stark unter dem Einfluß der Franzosen, daß er, der Heimat
entwurzelt, ins Manierierte verfiel und in Deutschland wenig
Nachahmer von Bedeutung fand. Bei weitem mehr hat bei uns
Dostojewski gewirkt. Einen wirklich großen Einfluß aber ge—
wann doch nur Tolstoj. Indes bei ihm wiederum beruht die
Wirkung doch nicht so sehr auf der Form, die in Werken wie
„Krieg und Frieden“ (1865) oder „Anna Karenina“ (1874-76)
zu spezifisch russisch bleibt, wie vielmehr auf dem Inhalt: dieser
aber gehört der ethischen Bewegung an und hat die Stoffwahl
deutscher Autoren wohl nur dahin beeinflußt, daß sie gelegentlich
gewisse sozialpsychische Materien bevorzugten.
Am stärksten ist in Deutschland zweifelsohne die Wirkung
der Norweger gewesen. Und hier wieder war Björnsen innerhalb
des hier zur Darstellung gelangenden Zeitraums der Hauptsache
nach doch nur ein Vorläufer Ibsens. Was aber Ibsen dem
deutschen Drama der Gegenwart gegeben hat seit der Aufführung
seiner „Gespenster“ im Jahre 1881, was er ihm besonders wurde,
seitdem die Schüler Scherers, Otto Brahm und Paul Schlenther,
seine Werke in Berlin heimisch machten, das läßt sich nicht mit
zwei Worten sagen: man müßte denn den Dichter in naiver Ein—
verleibungssucht der nationalen Entwicklung so zuordnen wollen,
wie etwa die Engländer Händel zu nostrifizieren pflegen. Es
wird in der Geschichte des Dramas noch eingehend von Ibsen
die Rede sein müssen.
3. Außerlich begann die neue litterarische Bewegung in
Deutschland etwa im Jahre 1882 mit dem Erscheinen der
„Kritischen Waffengänge“ der Brüder Heinrich und Julius Hart
(geb. 1835 und 1859). In einer Reihe von Heften schlug das
Brüderpaar los auf Kruse als Dramatiker und auf Lindau als
Kritiker. Satiriker und Feuilletonist, betrachtete Hugo Bürger und