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markte, die sich die Banken durch ihren niedrigen Zinsfuß er-
worben hatten, auf, und die Ursache der außerordentlichen
Vermehrung der Bankzahlungsmittel ist aufgehoben .... Die
künstliche Herabsetzung des Zinsfußes hat zu einer künstlich ver-
stärkten Kapitalproduktion geführt, was mit einer erzwungenen
Erhöhung der volkswirtschaftlichen Sparsamkeit gleichbe-
deutend ist‘1). In seiner Theorie der Konjunkturbewegungen
führt Cassel aus, daß in der Periode des beginnenden Auf-
schwunges die Banken den Zinsfuß nicht so schnell herauf-
setzen, als es der wachsenden Knappheit an Kapitaldisposition
entsprechen würde, was die soeben beschriebenen Vorgänge
auslöst?), woraus man schließen muß — was Cassel an dieser
Stelle nicht ausdrücklich ausführt — daß in der Depressions-
periode der Zins einen tieferen Stand erreicht, als wenn die
Banken den Zinsfuß rechtzeitig erhöht hätten.
Man sieht, hier berühren sich Cassels und Schumpeters
Ansichten. Für beide werden mit Hilfe ad hoc kreierter Kauf-
kraft mehrergiebige Produktionsumwege eingeschlagen, er-
zwungenes Sparen findet statt, und der Zinsfuß wird auf diese
Weise gedrückt, für Schumpeter allerdings sogar eliminiert.
Wenn Amonn hier einwendet, daß durch eine derartige
Zinspolitik der Banken das Preissystem nur so verändert wird,
daß die realen Kapitalnutzungskosten und deshalb der „‚normale‘*
Zinsfuß davon gar nicht berührt werden®), so hat er nur teil-
weise recht.
Wir wollen zuerst einen Punkt hervorheben, der zwar keinen
Gegenbeweis bildet, der aber die Amonnsche Behauptung
doch etwas zweifelhaft erscheinen läßt. Wäre es unmöglich,
durch die Ausgabe zusätzlicher Kaufkraft einen aktiven Einfluß
auf die Güterwelt auszuüben, so wäre Schumpeters Theorie
von vornherein widerlegt, da für ihn die Entwicklung prinzipiell
mit zusätzlicher Kaufkraft finanziert wird. Amonn schränkt
die oben zitierte Aussage im gleichen Aufsatze auch etwas ein,
indem er bemerkt, daß unter Umständen durch eine Herab-
setzung des Zinsfußes seitens der Banken derartige Vorgänge,
1) Cassel, Theorie, S. 394/96, ?) ebda., S. 553/54, 568.
3) Amonn, Cassels System, S. 340.