$ 6. Die provisorische Regierung des Jahres 1848 und das
Recht auf Arbeit.
Der Samen, den die sozialistischen Theoretiker in die
Furchen einer aufgewühlten Zeit gestreut hatten, sollte bald
aufgehen. Mit dem Jahre 1840 hatte in Frankreich eine neue
Zeit begonnen. Der Mittelstand, in beständiger Angst vor
der sozialen Revolution, schloss sich fester ans Königtum
an und von Tag zu Tag wuchs die Kluft zwischen Bour-
zeoisie und Proletariat. Zwei Schlagworte waren es, zu denen
Aamals die lohnarbeitenden Klassen wie zu erlösenden Zauber-
formeln aufblickten: Organisation du travail!) und droit au
travail. Besonders das Erste, durch die Unbestimmtheit und
Vieldeutigkeit seines Ausdruckes die abenteuerlichsten Hoff-
nungen nährend, war danach angethan, die Menschen, die
man nicht befriedigen konnte, zu verwirren, Bald waren diese
Schlagworte die zwei Fahnen, um die sich der französische
Sozialismus der 40er Jahre schaarte. Selbst ein Mann wie
Lamartine, der zu jener Zeit in Frankreich ‘der persönliche
Ausdruck aller Hoffnungen war, die in der Republik die
Verkörperung aller Freiheit sahen und der gewiss nicht den
(1ötzen des Tages huldigte, sprach sich allerdings unter der
Voraussetzung des Fortbestandes der‘ privatwirtschaftlichen Ord-
nung für das Recht auf Arbeit aus ?). Die arbeitenden Klassen
fühlten jedoch, dass sie. lediglich auf ihre eigene Kraft gestellt,
1) Vgl. über dieses Schlagwort die Ausserung Lamartine’s in seiner
Histoire de la Revolution de 1848, Paris 1849, Tome I p. 329: Le mot
d’organisation du travail Etait devenu EraCe Ääl’obscurite des termes
depuis dix ans le mot de la eroisade des proletaires contre l’etat politique et
social. S. dazu auch den Aufsatz von Garnier: Quelques mots d’explication
et d’histoire au sujet des principales formules socialistes im Journal ‚des
Economistes, 20. Bd., 1848, p. 375 fe
9) In der Zeitschrift La Presse, Paris 1844.