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RUSSLAND. — Militär (Landmacht).
Bautzen standen blos 82,652 Russen und Preussen fast 100,000 Fran
zosen gegenüber.) — In dem Feldzuge von 1828 gegen die Türken er
schienen die Russen am Pruth mit 80,000 M., denen im nächsten Jahre
etwa 40,000 nachgesendet wurden. Als das Hauptcorps nach Adriano
pel gelangte, zählte es kaum noch 15,000 Streitfähige; es wäre verloren
gewesen, wenn die ängstliche Diplomatie nicht eilends den Frieden ver
mittelt hätte. — »Von 115,000 Russen, welche 1828 und 29 die euro
päische Türkei invahirten, kamen kaum mehr als 10 —15,000 über den
Pruth zurück.« (Major A/o/^Ä-e.) /omm«'berechnet, die russ. Armee habe
in diesen beiden Feldzügen 115,000 M. verloren, wovon 100,000 an
Krankheiten. Schon der erste Feldzug raffte 40,000 Soldaten weg. yom
Mai 1828 bis Febr. 1829 kamen 201,108 M. in die Spitäler und Am-
bulancen ; besonders wüthete zuletzt die eigentliche Pest. (S. Boudin,
Géographie et Statistique médicales.) — Der Heldenkampf Polens im
J, 1831 zeigte wieder die Schwäche des russ. Heerwesens. Es bedurfte
der äussersten Anstrengungen und der Unterstützung von Oesterreich
und Preussen, um das kleine polnische Heer endlich niederzuwerfen. —
Im ungarischen Feldzuge 1849 erschien eine russ. Hülfsarmee von etwa
120,000 M. Da sich die Magyaren durch die Uebermacht erdrückt
sahen, so kam es nicht mehr zu Waffenthaten. — Der Krimkrieg be
wies aufs Neue die unvervvüstbare Ausdauer der Soldaten, aber auch die
Täuschungen über die Stärke des Heeres, und die Alles durchwuchern
den Missbräuche, besonders in der Verpflegung. Da in den amtlichen
Aufstellungen schon vor dem Kriege 1'200,000 M. als Militärpersonen
aufgeführt wurden (einschliessl. 200,000 Cantonnisten oder Soldaten
kinder) , so musste die geringe Truppenzahl auffallen, welche in die Do-
naufürstenthümer einrückte. Allerdings hatte Russland in vielen, weit
entfernten Gegenden für Vertheidigung zu sorgen, allein auf dem 1 laupt-
kampfplatze kamen nie 200,000 M. zugleich zur Verwendung. Inner
halb 20 Monaten wurden folgende Aushebungen angeordnet: durch
Ukas vom :
10. Febr. 1854, 0 M. von 1000 in den westlichen Provinzen,
9. ^lai — 0 — — — — — östlichen —
7. Sept. - 10- - - - - westlichen
14. Dec. - 10 - - - - östlichen
10. Febr. 18o5, 14 - - - - - 18 Gouvernements. — Reichswehr
41. Mai - I
12. Aug, - >14 ebenso in den übrigen Gouvernements.
7. Get. - J
(!. Mai - 12 M. von 1000 in den westlichen Provinzen,
15. Get. - 10 - - - - sämmtl. Gouvernements, blos 7 ausgenommen.
Die Reichswehr brachte 372,000 M. unter die Waffen (eine
vorgängige Schätzung hatte von 700,000 geredet); sie wurden in 337
Druschinen oder Bataillone getheilt ; die zu den Reservebataillonen cin-
gezogene alte Mannschaft und die neuen .Aushebungen lieferten zusam
men (nur!) 307,000, im Ganzen also 739,000 M. (nach einem Berichte
des Ministers des Innern an den Kaiser), — eine ungeheure Menge, indess
immerhin blos etwa halb so zahlreich, als man im übrigen Europa an
nehmen mochte. In den officiellen Listen ward die Truppenzahl in der
Krim anfangs 1855 zu 250,000 mit 100,000 Pferden angegeben. Die