Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

278 DEUTSCHLAND. —Mecklenburg-Schwerin Militär, Sociale,s). 
Civiladminlstration : letztere betragen noch nicht % Mill. Th Ir., die für 
das grossherzogliche Haus hingegen über eine halbe Mill., mehr also, 
als die (frühere) Civilliste des Königs von Sachsen.« (Reden.) 
Schulden. Nach (Wiggers) »Staatskunde von Mecklenburg« betru 
gen dieselben 18<)0 &’843,944 Thlr., neml.: Landesschulden r4b8,944, 
fürstliche 7’200,000, ständische 175,000 Thlr. 
Finanzgeschichtliches. Herzog Karl Leopold (f 1747, brachte mit 
seinen russischen Hülfstruppen unsägliches Elend über das Land. Die 
Reichsprozesskosten betrugen über 300,000, die Executionskosten 
r 100,000 Thlr. N%. Landestheile mussten an Preussen und Kurbraun 
schweig verpfändet werden. 17^%g löste die Reluitionscommission die 
1734 an letztes verpfändeten 8 Domänenämter mit 1’535,000 Thlr. wie 
der ein. Der erste Reichskrieg gegen die franz. Republik kostete 2 70,000, 
die »bewaifnete Neutralität« bis zum Lüneviller Frieden 1'200,000Thlr. 
Dennoch waren die Schulden im J. 1803 bis auf 495,000 Thlr. getilgt. 
Der Kriegsschaden des Landes vom Oct. 1800 bis Febr. 1807 betrug 
7’218,000 Thlr. — Von den franz. Contributionsgeldern erhielt Schwe 
rin 2’1 50,000 Fr. 
Militär. Conscription mit Stellvertretung ; 0jährige Dienstzeit. Unter 
den Officieren (1859, nach Steubel) 107 Adelige und nur 20 Bürgerl., 
ein Missverhältniss, wie es nirgends sonst vorkommt. Bestand : 5,370 M. 
Haupt- und 1 194 Ersatz-Contingent, zus. 0504. 
Infanterie; 1 Grenadier-, 3 Musketier-und 1 leicht. Bataill. . . . 4210 M. 
Carallerie; 1 Dragonerreg. von 4 Escadr 072 - 
Artillerie: 2 Bat. mit l(i Geschützen und 1 Pionierabtheilung, zus. . 482 - 
Sociale Verhältnisse. Mecklenburg ist der einzige Staat in Deutsch 
land, in welchem die franz. Revolution fast keine socialen Aenderungen 
hervorgebracht hat. Das Feudalwesen dauert fort; obwol die Jahre 1848 
und 49 dasselbe zu erschüttern anfingen, so befestigten doch die Bun 
destagsbeschbisse die alten Zustände. Die Rittergutsbesitzer üben wahre 
Souveränitätsrechte ; die Lage des Landvolkes ist die elendeste. Länger 
als irgendwo in Deutschland, nemlich bis 1820, währte die Leibeigen 
schaft fort, der die Mehrzahl der Einwohner unterlag. .Auch später bes 
serten sich deren Verhältnisse wenig. Ausser den Stadtgebieten gibt es 
zunächst 054 Rittergutsbesitzer. Mit ihnen nehmen an dem Grundbe 
sitze etwa 1 002 Erbpächter Theil, 0103 Bauern, die an den Boden eigent 
lich kein dingliches Recht haben, und endlich etwa 0590 Bündner, die 
meistens nur wenige Aecker, aber mit dinglichem Rechte, besitzen. Die 
Zahl der Grundbesitzer ist also klein — 15,085 unter 308,118 Land 
leuten. wovon nur 030 vollkommen freie Eigenthümer sind. Selbst diese 
mit Schulden belasteten Rittergutsbesitzer befinden sich in keiner allzu 
behaglichen Lage. (1834 war ihre Schuldenmasse 23’855,994 , 1819 
dagegen 30’503,780). — Die Güter der Ritter und die von 0 Bauern 
schaften umfassen 103 Q.-Meil., jene der Domänen und Klöster 1 13. 
Dieses ganze Areal ist dem Eigenthumserwerbe der Bauern entzogen. 
Das Ge werbe wesen wird durch die beiden entschiedensten prin- 
cipiellen Gegensätze eigenthümlich beherrscht: einerseits der massloseste 
Gewerbe zwang, anderseits eine fast vollständige Handelsfreiheit 
nach Aussen ! Auf dem Lande darf Niemand ein Gewerbe treiben, ausser
	        
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