Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ITALIEN.  —  Finanzen  (Schuld).

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mussten,  wofür  die  Staatscasse  494’867,986  Lire  wirklich  erlangte.  Die
schwebende  Schuld  dazu  gerechnet,  entziffert  sich  Ende  1864  eine  Gesammtsumme
  der  Schuld  von  4,145'63U,  160  Lire,  ungerechnet  den  wegen
Erwerbung  päpstlichen  Gebiets  zu  übernehmenden  Schuldantheil  (wofür
schon  früher  430  Mill,  in  Aussicht  genommen  waren).
Schuldverhältntss  der  frühem  Einzelstaaten.
a)  Sardinien.  So  sehr  das  Schuldenanhäufen  in  der  Neuzeit  eingerissen, ­
  hat  doch  kein  anderer  Staat  seine  Passiva  verhältnissmässig  so
ungeheuer  vermehrt,  wie  der  sardinische.  Vor  der  ersten  franz.  Revolution ­
  war  das  Land  schuldenfrei  ;  die  Republik  Genua  besass  sogar  bedeutende ­
  Capitalausstände  (1780  schätzte  man  dieselben  auf  45  Mill.
Rthlr.).  Am  l.Jan.  1835  war  der  Schuldenstand  Sardiniens  99’779,510
Lire.  Allein  die  üble  Wirthschaft  steigerte  denselben  schon  vor  1847
bedeutend.  Die  beiden  Kriege  von  1848  und  ‘49  kosteten  205  7  15,803
Lire,  wovon  78'616,667  Kriegsentschädigung  an  Oesterreich.  —  Sodann ­
  wurden  bis  Ende  1852  98’209,600  für  Eisenbahnen  verausgabt,
und  hierauf  weiter  12  Mill,  bis  Ende  1854  verwendet.  Dies  beträgt  für
Krieg  und  Eisenbahnen  zusammen  etwa  316  Mill.  Allein  man  hatte  vom
Jahre  1848  his  Ende  1854  nicht  weniger  als  568%  Mül.  neue  Schulden
Contrahirt  (darunter  ein  unterm  7.  Sept.  1848  angeordnetes  gezwungenes ­
  Anlehen  von  50  743,000  Lire).  Für  418’156,185  wirklich  bezahlte ­
  Lire  musste  man  503*252,126  verschreiben,  und  jedes  Jahr
brachte  die  enormsten  Ausfälle  in  der  gewöhnl.  Verwaltung.  Nun  kam
der  Krimkrieg,  Die  ausserordentliche  Militärausgabe  in  den  beiden ­
  Jahren  1855  und  56  betrug  44*948,578  für  das  Landheer,  7*959*062
für  die  Marine;  zus.  52*907,640  Lire.  Mit  Dazurechnung  der  gewöhnlichen ­
  Militärausgaben  kostete  das  Kriegswesen  in  jenen  zwei  Jahren
130  Mill.  Das  Geld  Hess  sich  nur  durch  Anlehen  beschaffen.  Allein  es
mangelte  an  Credit,  England  leistete  Bürgschaft  für  zwei  Kriegsanlehen,
zus.  2  Mill.  £  =  50  Mill.  Lire.  Gleichwol  konnte  man  5  ®/„  Papier  nur
zu  79"/o  verwerthen;  das  Land  musste  also  die  aufgenommenen  Capitalien ­
  thatsächlich  zu  6'/,  %  verzinsen.  —  Als  im  Jahre  1858  ein  neues
Anlehen  von  40  Mill,  aufgenommen  ward,  machte  die  reactionäre  Opposition ­
  geltend:  in  den  17  Jahren  1830—4  7  seien  163%  Mill,  geliehen ­
  worden,  in  den  10  Jahren  1848—58  dagegen  570  Mill.  —  Der
Krieg  von  1859  erforderte  ungeheure  Anstrengungen,  Im  Februar  ermächtigten ­
  die  Kammern  zu  einem  Anlehen  von  50  Mill.  :  in  Wirklichkeit ­
  wurden  für  3*229,280  Lire  Renten  =  64*585,600  Capital  zu  5%
ausgegeben.  Im  Mai  schoss  die  Turiner  Bank  dem  Staate  30  Mill,  vor,
nur  zu  2®/„  verzinslich,  wogegen  die  Anstalt  Noten  bis  zu  20  Lire  herab
ausgeben  durfte,  wie  denn  auch  die  Banknoten  Zwangscurs  erhielten.
Mitte  Oct.  ertheilte  ein  königl.  Decret*  dem  Finanzminister  Ermächtigung, ­
  ein  weiteres  Anlehen  von  100  Mill,  in  Renten  aufzunehmen.  Im
Juni  1860  genehmigten  die  Kammern  die  Aufnahme  eines  Anlehens  von
150  Mill.  ,  welches  im  Aug.  nominell  zu  80,50,  aber  nur  zu  78,40
effectuirt  ward.  Ausserdem  wurde  die  von  Frankreich  als  Schuldantheil
der  abgetretenen  Provinzen  ausbezahlte  Summe  von  150  Mill,  gleichfalls ­
  im  laufenden  Haushalte  verbraucht  Aus  Veranlassung  der  Erwerbung ­
  der  Lombardei  musste  Sardinien  250  Mill.  Lire  Schulden  über-
            
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