Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ITALIEN. — Militär (Landmacht). 
333 
kammer von 1S62 die eöective Stärke (statt der nominellen von 303,048) 
folgendermassen angegeben ; 
Linieninfanterie 111,207 M., Bersaglieri 17,508, Cavallerie 10,536, Artil 
lerie 17,302, Genie 4,397, Train 2,485, Verwaltung 2,755, Carabinieri 18,516, 
Veteranen 4,879, Sanitätstruppen 395, zus. 190,100 Mann. 
Seitdem hat die finanzielle Noth zu sehr bedeutender Verringerung 
des Militärstandes genöthigt. 
Nationalyarde. Ein Gesetz vom 4. August 1861 hat die Bildung 
von 220 Bataill. mobilisirter Nationalgarde angeordnet. Nach den auf 
gestellten Listen gehören übrigens 1’230,988 Bürger in die active 
Nationalgarde (wovon 726,219 als mobilisirbar bezeichnet werden), 
766,552 weitere werden als Reserve aufgeführt, was eine Gesammtzahl 
von nicht weniger als l’997,54ü Mann ergäbe. — Der milit. Werth 
dieser Masse dürfte indess sehr gering anzuschlagen sein. 
Festungen. In den alten festländ. Provinzen: Alessandria, Casale, 
Genua und 18 kleinere ; in der Lombardei : Pizzighettone, Pavia und 
3 Forts ; — Mittelitalien : Ancona, Ferrara, Piacenza, Bologna, 
Reggio; Castelle zu Livorno, Siena, Volterra, Pistoia, Florenz; dann 
4 kleinere und auf der Insel Elba; Porto Ferrajo u. Porto Longone ; — 
Unteritalien: Gaeta , Capua, Civitella dell’ Troute, Pescara; Cita 
delle von Neapel ; — auf Sicilien Messina, Siracus u. Forts von Pa 
lermo ; auf der Insel Sardinien : Cagliari u. Sassari. 
Kriegsgeschichtliche Notizen. Die Stärke der Truppenmacht aller 
ital. Staaten ward 1858 auf 173,700 Mann im Frieden berechnet, für 
den Krieg auf 250,000. Einzelne Länder : a) Sardinien. Die Könige 
dieses Militärstaats, stets nach Vergrösserung lüstern, unterhielten immer 
ein ansehnliches Heer. Vor der ersten franz. Revolution zählte dasselbe 
24.000 Mann. Zufolge Vertrags vom 25. April 1793 mit England ver 
pflichtete sich der König, für 200,000 £ Subsidien, 50,000 M. gegen 
Frankreich zu stellen. Später kämpften die Piemontesen ruhmvoll in 
der franz. Armee. — Ende März 1848 rückten etwa 30,000 M. sar- 
dinische Truppen in die Lombardei ein. Ihre Zahl ward allmählig auf 
65.000 gebracht, ungerechnet die Hülfstruppen aus der Lombardei, 
Rom, Toscana und Parma. Indessen sollen, nach der Versicherung 
des commandirenden Generals Bava, doch nur 15,000 schlagfertig ge 
wesen sein. Die Soldaten bewiesen Tapferkeit, Geschick und Aus 
dauer. Allein man liess es ihnen an Allem fehlen, und die Führung 
war, besonders wegen des steten Eingreifens des Königs Karl Albert, 
eine ungeschickte. Während des Waffenstillstandes vermehrte man das 
Heer auf dem Papiere bis zu 135,000 M. (worunter die lombardische 
Division von 5,500). Beim Wiederbeginne des Kampfes zählte man 
aber höchstens 85,000 active Combattanten. Die Cavallerie, besonders 
die Artillerie, waren trefflich, die Artillerie aber nicht zahlreich genug, 
und an leichter Reiterei fehlte es. Die Infanterie stand der öster 
reichischen weit nach. Bei der ganz schlechten Führung dauerte der 
Feldzug nur vom 20. bis 24. März 1849; er endete mit der Schlacht 
von Novara. — 1855 find 56 nahm Sardinien am orientalischen Kriege 
Theil; es sendete 17,584 M. nach der Krim, die sich wacker hielten, 
wovon aber selbst nach den officiellen Angaben 2,532 (also 14,4 Proc.),
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.