Full text : Währung und Handel

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ln  England  bestand  vom  Jahre  1275  bis  zum  Jahre
1<)<)4  die  Dopi^elwälirung,  in  der  Art,  dass  von  Zeit  zu  Zeit
das  AVerthverliältniss  der  in  Silber  ausgeprägten  Schillinge
zu  den  in  (xold  geprägten  Guineen  gesetzlich  geregelt  wurde.
Doch  waren  dabei  die  englischen  Gesetzgeber  jener  Zeit  niemals ­
  von  der  Absicht  beherrscht,  ein  bestimmtes  Werthverh.iltuiss
  festhalten  zu  wollen  j  ibi  e  Absicdit  ging  vielmehr
dahin,  die  auf  dem  Edelmetallmarkte  thatsächlich  vorhandene
delation  richtig  zu  erfassen  und  in  gesetzliche  Normen  zu
l)iiiigen.  Dass  sie  dies  thaten,  hatte  seinen  Grund  ganz  ausschliesslich ­
  in  dem  praktischen  Bedürfnisse  des  englischen
Vei  kehrs  nach  (?oldmünzen  und  in  der  Erkenntniss,  dass  es
eine  grosse  Erleichterung  sei,  wenn  Zahlungen  ohne  weitläuiige
  und  schwierige  Umrechnungen  gleichmässig  in  beiden
Edelmetallen  geleistet  werden  können.  Da  mithin  das  eigentliche ­
  Princip  der  Doppelwährung  in  England  nicht  verfolgl
wurde,  dieses  Geldsystem  gleichsam  blos  von  Fall  zu  Fall
und  auf  Kündigung  etablirt  wurde,  so  schlief  zwischen  Idb4
und  1717  die  Doppelwährung  von  selbst  wieder  ein,  indem
ganz  einlach  keine  neue  Feststellung  der  Werthrelation  erfolgte, ­
  der  Werth  des  Silbers  aber  inzwischen  derart  gesunken
war,  dass  die  alten  Feststellungen  nicht  mehr  Geltung  beluilten
  konnten,  die  Guineen  damit  zur  Handelsmünze  wurden.
Es  bestand  also  wieder  die  alte  einfache  Silberwährung.  1717
wurde  aber  .auf  den  Rath  des  damaligen  königlichen  Münzuieiaters
  Sir  Isaac  Newton  wieder  zur  Doppelwährung  zurückgegriffen.
  Man  setzte  den  Werth  der  Guinee  auf  21  Schillinge
überschätzte  aber  damit  den  Werth  des  Goldes  um  ungefähr ­
  1  V2  Percent,  und  die  Folge  davon  war,  dass  sich  nunuielir
  sehr  rasch  eine  tactische  Goldwährung  in  England
(  ta  bl  irte.  Die  vollwichtigen  Silbermünzen  wunderten  aus,  die
Guinee  wurde  thatsächlich  alleinige  Zahlungsmünze  Englands.
Dn  Jahre  ISUo  schrieb  Lord  Liverpool  seine  berühmte  „Abl'andlung
  über  die  Idünzen  des  Königreichs,  ein  Brief  an  die
Königin".  Er  empfahl  darin  die  Annahme  der  einfachen  gemischten
\Väbrung  unter  Zugrundelegung  des  (K)ldes  als  alleinigen
*  Binzmetalls.  Im  Jahre  l.Slö  wurden  seine  Vorschläge  angeklommen
  und  seitdem  besitzt  England  ununterbrochen  die  reine
f^üld  Währung.
            
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