Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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Die  sanitären  Verhältnisse  des  Blauraumes  waren  die  Rüstigsten
der  ganzen  Anilin-Fabrik.  Bei  einem  durchschnittlichen  Bestände  von
14  Arbeitern  kamen  in  den  letzten  5  Jahren  nur  durchschnittlich  pro
Jahr  5  Erkrankungen  in  demselben  vor,  von  welchen  die  meisten  auf
Uheumatisnien  und  Bronchial-Catarrhe  entfallen.  Es  wurde  jedoch  auch
1  Fall  von  Anilismus  in  diesem  Raume  beobachtet.
Mit  dem  im  Wasser  löslichen  Farbstoffe  wurden  durch  längere
Zeit  Thier-Versuche  an  gestellt,  welche  dessen  Ungefährlichkeit  ergaben.
An  3  Lapin’s  wurden  in  einem  Zeiträume  von  4  Wochen  15  g  des
Farbstoffes,  benutzt  zum  Färben  von  1500  g  Gerste,  verfüttert,  ohne
dass  eine  Aenderung  in  dem  Betragen,  der  Fresslust,  dem  Aussehen
u.  s.  w.  der  Thiere  eintrat.
5)  Der  Dahlia-Kaum.
Der  Ausgangspunkt  für  den  Dahliafarbstoff  oder  das  Methylviolett
  ist  das  Methylanilin,  welches  durch  Erhitzen  von  salzsaurem
Anilin  mit  Methylalkohol  in  emaillirten  Autoklaven  hergestellt  wird.
Das  Methylanilin  liefert  durch  Oxydation  mittelst  chlorsauren  Kali’s  und
Kupfervitriol  die  Violettschmelze,  aus  welcher  der  in  Wasser  lösliche  Farbstoff
durch  wiederholtes  Unilösen  und  Fällen  mit  Kochsalz  als  harzige,  tief  goldgrüne
Masse  erhalten  wird,  welche  nach  dem  Trocknen  und  Mahlen  als  Pulver  oder  in
groben  Stücken  in  den  Handel  kommt.  Die  Chlorzinkverbindung  des  Methylvioletts ­
  bildet  kleine  Krystalle.
Das  gewöhnliche  Violett  geht  bei  Einwirkung  von  Chlorbenzyl  in  alkoholischer, ­
  alkalischer  Lösung  in  blaue  Nuancen  über.
Sowohl  über  diesen  Raum  als  auch  über  den  entsprechenden
Farbstoff  lässt  sich  in  sanitärer  Beziehung  dasselbe  sagen,  wie  ad  4.
Auf  einen  durchschnittlichen  Bestand  von  18  Arbeitern  kamen
auf  das  Jahr  7  Erkrankungen,  unter  welchen  Verletzungen  in  erster
und  Bronchial-Catarrhe  in  zweiter  Linie  stehen.
Fabrik-Erkrankungen  kamen  in  diesem  Raume  nicht  vor.
Mit  dem  fertigen  Farbstoffe  wurden  Lapins  wochenlang  wie  ad  4
gefüttert,  ohne  dass  eine  schädigende  Wirkung  auch  dieses  Farbstoffes
eingetreten  ist.
(>)  Der  Drilii-Kauni.
Durch  Anlagerung  der  Haloidverbindungen  der  Alkoholradicale
(%.  B.  Jodmethyl,  Chloräthyl)  entsteht  aus  dem  Methylviolett  das
Methylgrön  in  gelbem  und  blauem  Nuancen;  es  wird  sowohl  als
Pulver  und  in  Krystal  len,  wie  auch  als  spritlösliche  Paste  den  Consumen ­
  ten  geliefert;  letztere  ist  das  pikrinsaure  Salz  der  Grünbase.
            
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