Full text : Schutz dem Arbeiter!

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Der  1882  in  Genf  versammelte  internationale  hygienische  Congreß
  hat  die  gesundheitliche  Bedeutung  der  Sonntagsruhe  in  folgender,
^stimmig  angenommenen  Resolution  zusammengefaßt:
1.  Der  menschliche  Organismus  ist  so  eingerichtet,  daß  er  von  sieben
tüQen  je  einen  zur  Erholung  von  leiblicher  und  geistiger  Arbeit  bedarf.  Der
wöchentliche  Erholungstag  ist  den  Menschen  um  so  nothwendiger,  je  ansengender ­
  oder  je  einförmiger  die  Arbeit  und  je  mehr  dieselbe  mit  gesundheitsschädlichen ­
  Einflüssen  verbunden  ist.  Der  Mangel  des  wöchentlichen  Ruheillges
  schädigt  auf  mancherlei  Weise  Gesundheit  und  Arbeitskraft  und  führt  allmälig  zu
"»heilbarem  Siechthum,  zu  früher  Erwerbsunfähigkeit  und  vorzeitigem  Tode.
Außerdem  wird  durch  unausgesetzte  Arbeit  der  Trunksucht  Vorschub  geleistet,  die  öffentliche ­
  Sicherheit  im  Verkchrsdienste  beeinträchtigt  und  das  Familienleben  gestört.
2.  Damit  der  öffentliche  Ruhetag  seiner  hygienischen  Bestimmung  entspreche,  genügt  es
"icht,  daß  der  Arbeiter  an  irgend  einem  von  den  sieben  Tagen  seine  Arbeit  einstelle,  sonbcm
  es  muß  dieser  Erholungstag  so  viel  als  möglich  für  Alle  gleichzeitig  und  dadurch
«uch  äußerlich  ruhiger  und  stiller  sein  als  alle  andern  Tage.  Dieser  Tag  muß  wirklich
^  Wiederherstellung  der  verbrauchten  Kraft  gewidmet  und  deshalb  Körper  und  Geist
anders  beschäftigt  werden  als  während  der  Arbeitstage,  in  reinerer  Luft,  reinerer  Kleidung ­
  und  Wohnung.  Als  dem  gesundheitlichen  Momente  entgegenwirkend  muß  sowohl
'"dolente,  stumpfe  Ruhe,  als  besonders  auch  der  Mißbrauch  alkoholischer  Getränke  und  jede
Vergeudung  der  Kräfte  bei  aufregenden  Lustbarkeiten  vermieden  werden.
8.  Der  vierte  internationale  Congres;  für  Gesundheitspflege,  abgehalten  in  Genf  im
September  1882,  empfiehlt  den  Regierungen  und  Verwaltungen,  den  Directwncn
^Eisenbahnen.  Posten  und  anderer  Verkehrsanstaltcn,  den  Leitern  industrieller
w'd  commercieller  Unternehmungen  und  Werkstätten  auf's  angelegentlichste,  so  viel  alv
'"'Hier  möglich  allen  von  ihnen  abhängigen  Menschen  in  jeder  Woche  einen  vollen  Tag
Ruhe  zu  gewähren  oder  zu  verschaffen  und  zur  Erfüllung  seines  gesundheitlichen
Zweckes  nach  den  oben  ausgesprochenen  Grundsätzen  beizutragen.
Der  VI.  hygienische  Congreß  in  Wien  1888  hat  in  gleicher  Weise
„Sonntagsruhe  für  alle  Arbeiter"  als  „eine  der  dringlichsten
Forderungen  der  Hygiene"  erklärt  und  zugleich  hervorgehoben,  daß
şie'  „nur  dann  in  vollem  Maße  zu  erreichen  ist,  wenn  den  Hausfrauen
"ui  S  a  nista  g  genügend  Zeit  gewährt  wird,  den  Sonntag  von  störenden
^"uslichen  Arbeiten  freizuhalten."
Der  Sonntag  ist  in  zweiter  Linie  der  Tag,  welcher  der  Familie
gehört.  Sonntagsruhe  und  Familienleben  wird  von  einer  englischen  Ar-^iterstochter
  in  ihrem  Zusammenhang  in  einfachen,  aber  von  Lebensführung ­
  getragenen  Worten  geschildert:
Wenn  wir  auch  den  Sabbat  bloß  betrachten  als  einen  Tag,  an  welchem  der  Arme,
während  der  sechs  Werktage  sein  trockenes,  kaltes,  freudeloses  Mahl  in  Hast  und  allein
"""Zehren  muß,  ruhig  und  behaglich  in  der  Gesellschaft  geliebter  Angehörigen ­
  dasitzen  und  sein  hübsch  zubereitetes,  obwohl  einfaches  Mahl  genießen  darf,
"Ut  den  reinlichen,  heitern  Gesichtern  seiner  Kleinen  um  ihn  herum  und  sein  Weib,
^  und  schmuck  wie  an  ihrem  Hochzeitstage  an  seiner  Seite  —  wenn  wir,  sage  ich,  den
^"bbat  auch  bloß  als  einen  Wohlthatenspendcr  dieser  Art  für  die  arbeitende  Menschheit
""trachten,  so  muß  er  wohl  jedem  erleuchteten  und  menschenfreundlichen  Geiste  Achtung  ein-
            
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