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rath" an jener Aufgabe mitzuarbeiten hatten, diese Fragen z» lösen, überlassen
wir den ausführenden Behörden."
Handelskammer zu Worms.
„Die wichtigste wirthschaftliche Angelegenheit, die in der Berichtspericde zur
Verhandlung und mit einer Ausnahme zum Austrag kam, war der Abschluß der
Zollverträge mit Oesterreich, Italien, der Schweiz, Belgien und Spanien. Wir
haben zu verschiedenen Malen, während der Verhandlungen, theile- aus eigner
Initiative, theils auf Veranlassung hiesiger Industriellen, die hiesigen Interessen
den maßgebenden Stellen gegenüber zum Ausdruck gebracht, und sind noch in der
letzten Zeit wegen des spanischen Vertrags thätig gewesen. Da die betreffenden
Berichte und Eingaben sich der Oeffentlichkeit entziehen, geben wir hier nur eine
Resolution, welche die Handelskammer im December 1891, kurz nach Bekannt-
werdung der Verträge mit Oesterreich und Italien, an den Reichstag gefaßt hat:
„Obgleich die Tragweite der Handelsverträge für alle Zweige der deutschen Industrie
und des deutschen Handels im Einzelnen noch nicht übersehen werden kann, glaubt
die Handelskammer doch ihr Urtheil darüber im Ganzen dahin abgeben zu können,
daß die Handelsverträge sich als wohlthätig für die deutsche Industrie und den
deutschen Handel erweisen werden." Die Handelskammer bat bei verschiedenen
Gelegenheiten, insbesondere in ihren beiden letzten Jahresberichten für 1886/87
Seite 47 u. ff. und für 1888/89 Seite 35 bis 38 befürwortet, das seitherige
System der autonomen Zolltarife und der einfachen Meistbegünftignngskausel zu
verlassen und zu dem der Vertragstarife überzugehen, selbst wenn damit auch
Differentialtarife nothwendig würden. Zugleich wurde der Wunsch ausgesprochen,
mit den mitteleuropäischen Staaten in ein Zollbündniß zu treten, daß unter
Anderem gegen das Prohibitivsystem Rußlands und der Vereinigten Staaten von
Nordamerika Front mache und diese Staaten zwinge, entweder ihre Grenzen unseren
Waaren zu öffnen, oder sich für ihre Ausfuhrartikel höhere Zölle bei dem lieber
schreiten unserer Grenzen gefallen zu lassen. Nach dieser Richtung hin scheinen
die vorgelegten Zollverträge unseren Wünschen zu entsprechen Jedenfalls haben
sie die Folge, die seither in fortwährender Steigerung begriffene wirthschastlickw
Absperrung der Nationen von einander für längere Zeit zu unterbrechen, für diese
Zeit stabile Verhältnisse zu schaffen und der wirthschaftlichcn Thätigkeit der
vertragschließenden Völker zu gestatten, sich nach Normen einzurichten, deren Be
ständigkeit für eine Reihe von Jahren gewährleistet ist. Was die besonderen
Geschäftszweige unseres Bezirks betrifft, so ist hervorzuheben, daß in dem öster
reichischen Vertrag der dortige Zoll auf Lackleder aus die Hälfte (von 18 fl. aus
9 fl.) herabgesetzt ist und der deutsche Zoll aus Lohrinden für alle meistbegünstigten
Staaten, also auch für Frankreich wegfällt. In Bezug auf die Kornzölle haben
wir seither immer keinen der extremen Standpunkte eingenommen. Im Jahre 1885
haben wir für eine mäßige Erhöhung der Kornzölle laus 3 Mt. für Roggen und
Weizen) gestimmt, aus Gründen, die wir in dem Jahresbericht für das Jahr
veröffentlicht haben, und es blieb uns daraufhin der Vorwurf, agrarische Tendenzen
zu haben, nicht erspart. Dagegen haben wir zwei Jahre später. 1887, unsere
Stimme nicht einer nochmaligen Erhöhung dieser Zölle auf 5 Mt. gegeben,
wofür wir uns den Vorwurf, Manchestermauucr zu sein, gefallen lassen mußten.
Die jetzt vorgeschlagene Herabsetzung aus 3,50 Mk. entspricht demnach dem, was