Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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dessen  darauf  angewiesen,  aus  das  Spinnen  gröberer  Garne  überzugeben,  wodurch
eine  vermehrte  sehr  empfindliche  Conçurrenz  für  die  vorhandenen  Spinnereien
hervorgerufen  wird.  Die  Papierindustrie  findet  sich  durch  die  Herabsetzung  des
Eingangszolls  auf  die  geringeren  und  gewöhnlicheren  Papicrsortcn  benachtbeiligt,
insofern  von  diesen  Papiersorten  auö  Oesterreich,  das  durch  billige  Rohmaterialien
preise  und  Arbeitslöhne  begünstigt  ist,  weit  mehr  in  Deutschland  eingeführt  wird,
als  umgekehrt.  Die  Wolldeckenfabrikation  beklagt,  daß  der  Eingangszoll  in  die
Schweiz  von  16  auf  ¿5  Fres,  per  100  kg  erhöht  wurde,  was  die  Concurrenz
mit  den  Deckenfabriken  der  Schweiz,  welche  ihre  Production  bedeutend  ausgedehnt
haben,  erschwert.  Das  Empfindlichste  ist  aber,  daß  die  Schweizer  Zollbehörden,
trotz  der  ausdrücklichen  Bestimmung  in  Abs.  II  b  Ziff.  8  deö  SchlußprotocollS,
wonach  Decken  mit  Näharbeit,  welche  lediglich  zum  Schutz  der  Ränder  bestimmt
ist,  als  Decken  ohne  Näharbeit  zu  behandeln  sind,  gleichwohl  Wolldecken  mit  der
allereinfachsten  Einfassung  mit  dem  für  Decken  mit  Näharbeit  festgesetzten  Zoll
belegen  und  dadurch  den  Zoll  von  25  auf  60  Fres,  erhöben.  Es  ist  zu  hoffen,
daß  diese  willkürliche  Behandlungsweise  in  Bälde  abgestellt  wird,  denn  sonst  wäre
der  Absatz  in  die  Schweiz  verloren.  Die  Fabrikation  von  Holzstoff  und  Holz.
pappe  ist  der  Ansicht,  daß  ihre  Erportfähigkcil  in  die  Schweiz  infolge  Erhöhung
des  Zolls  von  3  auf  3  Fres.  50  aufgehört  habe.  Die  Kratzenfabrikation  hat  für
die  Einfuhr  nach  Oesterreich  eine  Zvllerhöhung  von  20  auf  25  fl.  und  in  die
Schweiz  von  12  auf  20  Fres,  erfahren,  der  deutsche  EingangSzoll  für  Kratzen  aus
Belgien  und  England  ist  so  nieder  (18  F-icS.),  daß  sich  der  Import  aus  diesen
Ländern,  welche  der  deutschen  Fabrikation  die  meiste  Concurrenz  bereiten,  in  den
letzten  Jahren  sehr  erheblich  gesteigert  hat.  Dieser  Industriezweig,  dem  auch  sein
früheres  hauptsächlichstes  Absatzgebiet  —  Rußland  -  durch  Hobe  Zölle  verschlossen
ist,  befindet  sich  durch  diese  Zollverhältnisse  in  einer  gedrückten  Lage.  Noch  ver.
schiedenc  andere  Industriezweige  sind  durch  die  abgeschlossenen  Verträge  wenig
befriedigt.  Die  Concessionen,  welche  durch  Ermäßigung  der  Getreide-  und  Weinzölle ­
  gemacht  wurden,  haben  der  Industrie  wenig  Vortheile  gebracht.  Möge  die
Hoffnung  in  Erfüllung  geben,  daß  die  durch  die  Handelsverträge  erzielte  Stabilität
nach  außen  der  deutschen  Industrie  nachhaltigen  -Nutzen  bringe,  möge  aber  auch
eine  auf  den  Schuß  derselben  bedachte  Stabilität  nach  innen  eingehalten  werden.
Die  Oelfabrikation  ist  durch  den  Beschluß  des  Reichstags  vom  22  März  1892,
welcher  die  Bitte  um  Erhöhung  des  Eingangszolls  auf  Baumwollsamenöl,  soweit
es  nicht  denaturirt  ist  und  als  Speiseöl  eingeführt  wird,  nicht  berücksichtigt  bat,
schmerzlich  enttäuscht.  Das  Baumwollsamenöl,  welches  seit  längerer  Zeit  als
Speiseöl  verwendet  wird,  bezahlt  einen  Zoll  von  4  Mk.  während  der  Zoll  für
sonstige  Speiseöle  10  Mk.  per  100  kg  beträgt,  dadurch  erleidet  die  deutsche  Speiseöl-Industrie
  eine  von  der  mächtigen  amerikanischen  Eoncurrenz  veranlaßte  erhebliche
Benachtbeiligung,  die  einen  gedeihlichen  Geschäftsgang  untergräbt.  Amerika  kennt
Deutschland  gegenüber  in  Zollsachen  keine  Rücksichten.  Von  der  Oelfabrikation
wird  ferner  gewünscht,  daß  für  Mohnsaat  aus  der  Türkei  und  außereuropäischen
Ländern,  für  Sesamsaat  aller  Gattungen,  Erdnüsse  in  Schalen  und  geschält  der
Eingangszoll  gänzlich  aufgehoben  werde.  In,  Hinblick  auf  die  große  Eoncurrenz.
welche  italienische,  französische  und  amerikanische  Oele  bereiten,  sei  diese  Erleichterung ­
  für  einen  gedeihlichen  Fortbestand  der  deutschen  Oelfabrikation  unbedingt
erforderlich.  Hierdurch  werde  die  Production  der  als  Sdraftfuttermehl  für  rie
Viehzucht  gerne  verwendeten  Oclkuchcn  vermehrt  und  verbilligt,  was  für  die
            
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